wohin soll es gehen mit dem Klang?

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Calymne, 31.Dezember.2025 um 17:00 Uhr.

  1. quax

    quax Gehört zum Inventar

    BWL halt.
     
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  2. cwegy

    cwegy Ist fast schon zuhause hier

    Es spricht doch absolut nichts dagegen Transkriptionen nachzuspielen. Nur steht der Fokus bei mir dort mehr auf Notenlesen und Zählen.

    Geht es um Ausdruck, Klang und Vokabular finde ich es wertvoller nach Gehör selbst zu transkribieren, bzw. erstmal nachzuspielen. Quälende Takte, Note für Note, der Kopf blutet und es wird dir immer im Gedächtnis bleiben…na gut, etwas pathetisch, aber den Kern trifft es.

    Ein schönes Beispiel, wer würde hier nicht stur auf der 1 beginnen? Johnny Hodges lässt die Big Band den Anfang des Motivs spielen und „fließt“ dann in Takt 2 ins Thema und dies Phrasierungen. Aber hört selbst:

     
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  3. cwegy

    cwegy Ist fast schon zuhause hier

    Zum Thema Englishman in New York, 1987 stieg ich gerade in den Jazz ein. Als ich etwas über „diesen Jazz Part“ in EiNY gelesen hatte, dachte ich erst, es wäre dieses Drumbreak gemeint, das Saxophonsolo hat sich so schön stimmig in das Stück eingefügt, es fiel mir gar nicht als „Jazz“ auf. Das Drumbreak war eher gegen den Rest der Musik, etwas quer reingeschossen und auch vom Sound und Lautstärke gegen den Song.
     
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  4. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Nein, das wollte ich damit gar nicht sagen.
    Eins meiner wichtigsten Bücher ist das Charlie Parker Omnibook (für Eb, auch fürs Tenor!) - jede 4-8Takt Sequenz eine Masterclass in Melodieführung, Harmonie, Rhythmik und wenn man die Aufnahme dazu hört - was man dringend sollte - auch in Phrasierung und und und.

    Das ist aber eine ganz andere Art der Beschäftigung, als ein Solo nachspielen zu wollen.
    Und wir kamen ja eigentlich von den Pop-Soli für Leute, die keinen Jazz mögen.
     
  5. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Für mich ganz klar eine nicht völlig andere Art der Beschäftigung, sofern man mit der Originalaufnahme arbeitet.
    Ich habe Erfahrungen mit drei Varianten: Solo nachspielen ohne es aufzuschreiben, Solo transkribieren und mit Transkription nachspielen, und fremde Transkription nachspielen. Die Essenz ist für mich immer die gleiche, ich versuche das Original zu imitieren.
     
  6. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ja, so handhabe ich das auch. Bei Variante 2 und 3 geht das Papier dann auch bald wieder weg.
     
  7. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Ich habe ein bisschen Mühe mit der Vorstellung, @Calymne würde über die tiefgreifende Analyse eines Jazz-Solos durch Transkription einen massiven Schub erfahren in der Frage nach „wohin soll es gehen mit dem Klang?“

    Schon eine Annäherung an Pop-Soli ist vermutlich nach zwei Jahren Spielpraxis eine sportliche Aufgabe, die mehr Frustpotenzial als Nutzen haben könnte.

    Somit sind die Nuancen, die wir gerade versuchen zu erörtern, nicht zielführend.
    Wobei ich nicht einmal glaube, dass wir inhaltlich nennenswert auseinander liegen.

    Als allgemein unverfänglich dürften folgende Empfehlungen gelten:

    Viel auf das hören, was Saxophone in der bevorzugten Musik so machen.
    Hin und wieder versuchen, es selbst möglichst ähnlich zu machen.
    Sich dabei nicht überfordern. „Wie verspeist man einen Elefanten? In kleinen Häppchen!“

    Und letztlich: so viel wie möglich mit anderen gemeinsam musizieren.
     
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  8. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    Meine Intention war das auch nicht.
    Und ich will auch nicht die Sinnhaftigkeit von Transkriptionen anzweifeln.
    Ich wollte eher die Wichtigkeit des Gefühls hervorheben, in einer Band "drin zu sein".
    Für mich funktioniert das mit Anhören und Teile nachspielen, meinetwegen auch nur einzelne Töne.
    Ob da jetzt ein Notenblatt mit dem entsprechenden Ton, der entsprechenden Phrase daliegt oder nicht, das ist IMHO nebensächlich.
    In mir löst das einen bestimmten "Stimulus" aus, der nicht da ist, wenn ich nur die Noten sehe.

    Einer meiner ersten Lehrer hat das zu mir gesagt, long ago and far away, ich spielt eine Niehaus-Etüde:
    Du musst so spielen, dass Du selbst (und damit auch der Zuhörer) die Rhythmusgruppe hört.
     
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  9. slowchange

    slowchange Kann einfach nicht wegbleiben

    Für mich war der Song zumindest ein wichtiger Impulsgeber, dass Jazz eine coole Sache ist. Diese Geschichte vom zivilisierten Intellektuellen, der im groben, ungebildeten New York seinen Stil behält, hat mir als - wie als war ich? 16-jähriger imponiert. Und das spiegelt sich in dem Song auch deutlich wieder, gerade in dem Teil, den du oben ansprichst. Natürlich ist der Song kein Jazz, aber Sting hat in der Zeit heftig mit dem Thema Jazz kokettiert. Alleine die Leute, die er damals um sich geschart hatte. Natürlich Branford, aber auch alle anderen, Kenny Kirkland, Omar Hakim usw. die hatten doch alle davor bei Miles gespielt oder Weather Report.

    Und dann ist in "Englishman" auch noch dieser Teil, wo echter, gerader Jazz mit Walking Bass und allem Pipapo direkt und mit Bruch gegen einen ziemlich brutalen Schlagzeugteil gestellt sind. Das meinte @cwegy oben, glaube ich. Das hat mir damals echt imponiert.

    Insofern (um zur Ausgangsfrage zurückzukommen) ist das Stück (oder diese ersten drei Sting Soloplatten) vielleicht auch eine gute Gelegenheit, Musik, die sehr viel mit Saxophon zu tun hat, kennen und schätzen zu lernen. Man muss deswegen ja nicht gleich ein Sopran kaufen.:cool:
     
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  10. Rick

    Rick Experte

    Es gab einmal die Definition:
    Alles, was ein Jazzmusiker improvisiert, ist Jazz.
    Dabei geht es nicht nur um das Tonmaterial, sondern vor allem auch um Timing, Rhythmik, Phrasierung.

    Ich wollte das früher nicht glauben, schließlich hatte ich mich stets bemüht, in Rock und Pop meine Jazzwurzeln zu kaschieren.
    Doch wenn ich mir heute alte Aufnahmen objektiv anhöre, muss ich zugeben: Die Mühe war vergeblich.
    Schon weil die meisten improvisierenden Musiker praktisch immer einen Jazz-Hintergrund haben, der automatisch und unbewusst ihr Spiel beeinflusst.
    Früher wie heute sind das oft Jazzer, die einfach Geld verdienen müssen. :cool:
     
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  11. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    Zuletzt bearbeitet: 5.Januar.2026 um 18:33 Uhr
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  12. slowchange

    slowchange Kann einfach nicht wegbleiben

    Heute kann man das ja schnell auf Wikipedia nachschauen (https://de.wikipedia.org/wiki/Englishman_in_New_York)
    Es geht bei dem Lied ziemlich konkret um Quentin Crisp. Gut, so genau wusste ich das damals nicht, aber immer noch habe ich Textzeilen im Kopf wie "A gentleman will walk but never run" oder "It takes a man to suffer ignorance and smile". Da habe ich mich damals sehr erkannt gefühlt. Also für mich passt das.

    Allerdings bezogen sich meine Sachen über seine Band und sein Kokettieren mit Jazz noch viel mehr auf das Live Album ("Bring on the night"). Da gibt es auch einen Film von. Hach - Jugenderinnerungen.
     
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  13. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    "Kunst liegt im Auge des Betrachters".
    Ich habe früher diesen Spruch gerne zitiert. Verstanden habe ich ihn, als ich, fast vollständig gelähmt, den Film "Avatar " angeschaut habe. Da gibt es eine Stelle, wo der Avatar sich zum ersten Mal an dieses Wunderpferd anschließt: die panische Angst im Auge des Tieres, weil jemand fremde gerade hineindringt, auch wenn berechtigt.
    Und noch eine Stelle:
    "Wie erkenne ich, dass es mein Drachen ist?"
    "Er wird versuchen, dich zu töten ".
    Ich saß da und war fest davon überzeugt, dass der Film von mir und meinem Verhältnis zu meinem Körper handelt.
    Kein Mensch konnte das nachvollziehen.

    Andererseits: wenn ich jetzt so die Übersetzung von Englishman lese, ist auch das Drumbreak nicht so ganz verkehrt.

    Ein Paradoxon;)
     
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