Schnell spielen

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von Saxoryx, 19.November.2025.

  1. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Zu dem Video muss man natürlich sagen, dass das ein sehr komprimierter Zusammenschnitt ist von Aspekten, die in einem großen Kurs behandelt werden.

    Was schnell spielen angeht, da sind bei Eric zwei Aspekte wichtig: Einmal, dass er natürlich ein Meister des schnellen Spiels ist, seine Time und Genauigkeit sind technisch absolut beispielhaft, da ist er einer der besten der Welt. Er gibt aber in dem Video keine Tipps, WIE er das macht. Das zweite ist, wie man über schnelle Stücke improvisiert, und darauf zielt das ab, was er in dem Video sagt, dass nicht alles Material bei schnellen Stücken passt, sondern manches Material sich besser eignet als anderes, und das muss man halt sehen- hier ist dann hilfreich, dass man mit seinem Werkzeugkasten breit aufgestellt ist, also entsprechendes Material abrufbereit in seinem Repertoire hat. Also: Schnell spielen und über schnelle Stücke improvisieren sind zwei etwas unterschiedliche Dinge. Man kann auch zu einem gewissen Grad ohne Eric's technische Möglichkeiten über schnelle Stücke spielen.
    Was mir persönlich sehr hilft, schnelle Stücke zu entschleunigen, ist halbe zu zählen anstelle Viertel. Dann wäre ich bei einem Stück, welches normalerweise 160bpm ist, bei 80bpm mit Double Time Feel. Ist doch das gleiche, könnte man jetzt denken, an der Geschwindigkeit ändert sich ja nichts, aber man denkt motivisch anders, und dadurch ändert sich, wie man mit dem Material umgeht (mit "Material" meine ich das, was man individuell unter den Fingern und somit für Improvisation zur Verfügung hat).

    Hinsichtlich diminished scales bin ich ganz bei Eric, ich liebe sie, weil sie symmetrisch sind, weil es daher nur drei verschiedene sind und weil sie so universell einsetzbar sind :)
    Michael Brecker hat mal in einem Video (auf YouTube zu finden) demonstriert, wie man seine eigene Idee über diminished scales entwickeln kann: Spiele einfach eine Tonfolge von zwei oder drei Tönen, dann spiele sie eine Terz höher, dann die nächste Terz höher, und er demonstriert das mit einem Beispiel von (von C aus) drei Tönen: C-D-G (1-2-5), dann eine kleine Terz höher, also Eb-F-Bb, dann wieder eine kleine Terz höher, also Gb-Ab-Db, und zuletzt A-B-E. Das kann man dann noch in allen möglichen Variationen üben, und schon hat man ein neues Lick. Wenn man das oft genug mit Ideen übt, die einem spontan einfallen, kann man es irgendwann auch in Echtzeit beherrschen, also mit einer neuen Idee, die man dann direkt beim Improvisieren so umsetzt.

    Eric erwähnt dann noch den Coltrane Triad Trick, das ist witzig, denn vor etwa zwei Wochen hatte ich diesbezüglich mein Aha-Erlebnis - vorher war mir das x mal bei Transkriptionen begegnet, die ich von Eric oder George Coleman gespielt habe, und ich war fasziniert von dem Klang aber ich hatte es nie verstanden: Es ist natürlich genau das, was Eric sagt- eine Tritonussubstitution von der II, also nicht von der V, und dann nicht vom Grundton aus gedacht, sondern mit der 7-5-3 des Mollakkords, deswegen denkt man, dass es ein Durakkord ist, was aber gar nicht der Fall ist. Jetzt, wo ich das verstanden habe, wird es erstmal systematisch über II-V-I Verbindungen geübt :)

    LG Juju
     
    saxfax, Viper, Jokay10 und 6 anderen gefällt das.
  2. Bb7

    Bb7 Ist fast schon zuhause hier

    Bzgl. wirklich ganz schnellem Spiel habe ich mir angewöhnt ( eher mit der Querflöte als mit Sax) die Noten, wenn denn überhaupt mit Noten, schon mal zu checken, aber dann viel mehr Wert darauf lege, dass das timing exakt ist und ich genau weiss, wann der schnelle Lauf auf den Punkt endet.
    Das ist für mich fast wichtiger als exaktes Noten spielen, wobei ich natürlich versuche, den Noten so viel abzugewinnen, wie möglich.
    Manchmal klappt es dann nach paar Monaten oder Jahren auch kpl. oder auch gar nicht :)
     
    JES, khayman, Saxoryx und 3 anderen gefällt das.
  3. bthebob

    bthebob Strebt nach Höherem

    Erlaube mir an dieser Stelle mal wieder den Tipp -Tasteninstrument-.
    Selbst in kleines "zum unter Arm klemmen" hilft.

    Ich arbeite seit Jahren bei neuen, mir unbekannten Sachen, ob TL's oder Licks oder Melodien usw.
    immer zuerst fürs Verstehen und Erhören mit den Tasten.

    Auch später, wenn sie am Sax laufen, behalte ich das Üben am Klavier bei.
    Ich bin bei weitem kein Klavierspieler.

    Aber es hilft meinem Können am Sax als auch am Klavier ungemein.
    Und Spaß macht's sowie so.

    VG
     
    _Eb und altoSaxo gefällt das.
  4. altoSaxo

    altoSaxo Strebt nach Höherem

    @bthebob
    Ich komme vom Piano und kannte nur die englische Bezeichnung nicht ...
     
    bthebob gefällt das.
  5. Saxoryx

    Saxoryx Strebt nach Höherem

    Du legst den Finger auf den Punkt. Schnell spielen bedeutet auswendig spielen (bzw. Improvisieren), nicht vom Blatt schnell spielen. So habe ich das auch verstanden. Wobei es gerade im klassischen Bereich sicherlich viele Leute gibt, die auch sehr schnell vom Blatt spielen können. Die die Noten schnell erfassen und umsetzen können, weil sie viel Übung darin haben, Noten wie Wörter oder Sätze zu lesen, die in einem Buch stehen. Ich kann gut Noten lesen, aber die schnell umsetzen, das ist ein anderes Thema.
     
  6. Saxoryx

    Saxoryx Strebt nach Höherem

    Also ich habe es so verstanden, dass er die "Verbiage" tatsächlich aus technischen Gründen ändert. Er bleibt bei diatonischen Motiven, Tonleitermotiven und nicht beispielsweise einer Reihe von Quarten und Quinten, wenn er schneller spielen will. Weil man das schneller greifen kann als "harmonic rhythm". Er meint, das hätte keinen Sinn, weil es eben die Bewegungen verlangsamt.
     
    altoSaxo gefällt das.
  7. Saxoryx

    Saxoryx Strebt nach Höherem

    Super. Die Erklärung ist mal wieder genau auf den Punkt. Danke!
     
  8. Saxoryx

    Saxoryx Strebt nach Höherem

    Auf einem viel niedrigeren Niveau. :) Ich fand nur diese eine Aussage interessant, weil das bedeutet, mit meiner Geschwindigkeit brauche ich das gar nicht erst zu versuchen. Davon bin ich noch weit entfernt. Aber wenn man schon sehr schnell spielen kann, bedeutet das eben nicht, dass man unbedingt die schwierigstens Griffmuster spielen muss, sondern man vereinfacht sich das als Profi auch. Zumindest, wenn man das will oder wenn einem die Geschwindigkeit wichtiger ist als komplizierte Figuren. Man muss seine Prioritäten setzen, auch auf hohem Niveau. Oder vielleicht muss man nicht, aber zumindest Eric Alexander findet das nützlich.

    Für mich persönlich ist es aber eine beruhigende Aussage, denn ich improvisiere langsam und mit sehr wenigen Tönen. Meinem Ausbildungsstand entsprechend. Wenn es melodisch und harmonisch passt, klingt das sogar gut, meinen die Zuhörer. Und das reicht mir. Mehr strebe ich in meinem Alter gar nicht an.

    Man kann sehr schön Charlie Parker langsam spielen, das klingt sehr gut. Es muss nicht immer Raketentempo sein.
     
    Iwivera* gefällt das.
  9. Saxoryx

    Saxoryx Strebt nach Höherem

    Das finde ich eher kontroproduktiv. Dann ist in mein Gehirn eingebrannt: Langsam spielen, und meine Finger wollen nicht schneller, auch wenn sie könnten. Der Tipp wird zwar immer wieder gegeben, aber ich glaube, der ist nicht für alle gleich nützlich. Für die meisten möglicherweise. Ich habe aber auch schon den Tipp gehört, so schnell wie möglich das Tempo erhöhen, damit das Gehirn sich aufs Schnellspielen einstellt, sonst bleibt es immer im "Langsam-Modus". Das würde ich aus meiner Erfahrung unterstreichen.

    Das ist genau der Knackpunkt. Langsam kann ich alles spielen, schnell aber nicht. Wobei ich aber auch gelesen habe, dass man das im Alter nicht mehr so lernen kann. Es gibt eine Grenze, die man in jungen Jahren überschreiten kann bei der Geschwindigkeit, wenn man aber erst mit über 50 anfängt zu spielen oder mit über 60, dann geht das einfach nicht mehr. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber von meiner Empfindung her ist es so. In jungen Jahren waren meine Reaktionen generell viel schneller als jetzt. Damals habe ich aber nicht Saxophon gelernt, sondern gesungen.
     
  10. Saxoryx

    Saxoryx Strebt nach Höherem

    Klar. Ich habe zwar kein Yamaha-Saxophon, aber die Methode an sich kann man schon aufs Sax umsetzen. Nur wer will schon spielen wie Jaco Pastorius? ;) War schon toll, wie er das gemacht hat, aber so verrückt bin ich gar nicht. Es kommt immer darauf an, was man unter Schnellspielen versteht. Was ich unter Schnellspielen verstehe, ist für andere wahrscheinlich ein moderates Tempo.
     
  11. Saxoryx

    Saxoryx Strebt nach Höherem

    Genau. Er bietet jetzt 4 verschiedene Kurse - auch zur Diminished Scale - bei Better Sax an, und das ist ein winziger Ausschnitt. Mich beruhigt einfach immer nur die Aussage: "Ich mache es mir auch einfacher, wenn ich etwas erreichen will, selbst als ein so virtuoser Profi." Wobei "einfacher" in dem Zusammenhang natürlich extrem relativ ist. Für ihn ist es "einfacher", für mich wäre es unmöglich. Auch, was du tust. Du spielst in einem rasenden Tempo, das ich nie erreichen werde. In meinem Alter jetzt schon mal gar nicht mehr.

    Aber ehrlich gesagt strebe ich das auch gar nicht an. Ich finde Melodien wichtiger als Tempo. Bebop ist absolut nichts für mich, dem kann ich nichts abgewinnen. Obwohl ich die Virtuosen, die das können, sehr bewundere und das toll finde, wie sie das machen.
     
  12. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Ich bin da bei @cwegy. Man sollte nicht einfach schnell spielen. Man soll dabei sauber intonieren, sauber rhythmische Muster verfolgen, die Länge der Töne einhalten, Luftpausen etz. Und wenn man das ganze langsam nicht kann, kann man es auch schnell nicht.
    Aus meiner Beobachtung hängt auch vieles mit der Haltung zusammen. Wenn ich das Sax falsch stabilisiere oder gar halte, wenn das Mundstück im Mund falschen Winkel einnimmt, wenn die Finger in den Pausen nicht einfach auf den Tasten ruhen, sondern irgendwo herumwandern, wenn das Handgelenk falsch abgewinkelt ist, ist das Ganze bereits überspannt und ich stehe mir selber im Weg und arbeite mit der falschen dauerhaften Anspannung gegen die rechte Anspannung/Entspannung.
    Aber gut, ich glaube, kein Mensch im Forum weiß, wie Du tatsächlich spielst. Nimm doch was auf und stelle hier ein. Es kann sein, dass die Experten hier Dir dann sagen: Du bist perfekt, Du musst nur noch schneller Spielen. Oder: lass bitte Charlie Parker und Eric Alexander beiseite und versuche bei 60 bpm sauber zu intonieren und die Achtel richtig zu platzieren.
    Liebe Grüße, Alex.
     
    cwegy und Livia gefällt das.
  13. altoSaxo

    altoSaxo Strebt nach Höherem

    Spricht er von „schneller greifen“ und davon, dass es die „Bewegungen verlangsamt“? Du magst Recht haben und vielleicht ist es verschieden interpretierbar.
    Verstanden hatte ich: „I‘ve to find out, what verbiage in my music language works. … It would be more stepwise/scale approach. … Not fourths and fifths, it’s not conducive playing harmonic rhythm of that tempo.“

    Das wäre die Frage, technisch nicht dienlich oder klingt es in dem Tempo nicht mehr. Ich bin nicht sicher. Als Hörer kann ich sagen, dass für mich als Laie bestimmte Sachen ab irgendeinem zu hohen Tempo auch vom Gehör nicht mehr nachvollziehbar sind und deshalb nicht dienlich sind.
     
    quax gefällt das.
  14. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    Große Intervalle sind sowieso viel schöner :)
    Eine meiner Platten für den Atombunker.

     
    ilikebrecker und altoSaxo gefällt das.
  15. altblase

    altblase Strebt nach Höherem

    @Saxoryx
    Wäre es für Dich wirklich eine Katastrophe, wenn Du, trotz o.g. umgesetzter Tips, erkennen müsstest, dass Du einfach nicht zu Schnellspielern gehörst?:cool:
     
  16. ppue

    ppue Mod Experte

    In dem Maße, in dem man Fortschritte macht, wächst auch der Anspruch an sich selbst. Das heißt, wenn du dein nächstes Ziel erreicht hast, wirst du schon wieder das nächste anstreben. Es ergibt, aus dieser Perspektive gesehen, wenig Sinn, überhaupt weiterkommen zu wollen.

    Sinn ergibt sich, wenn dir das Spielen Spaß macht. Macht dir das Spielen keinen Spaß und du denkst: wäre ich doch mal so schnell wie der Xaver, dann wird es dir auch keinen Spaß machen, wenn du endlich so schnell spielst, wie Xaver, den der Hendrik spielt noch schneller und das sollte doch das Ziel sein.

    Diese Erkenntnis wirkt nicht gerade aufbauend, ich weiß. Aber sie wirft vielleicht ein Licht darauf, dass man sich, so kurz vor dem Ableben, besser darauf besinnt, das zu spielen, was einem Spaß macht. Und macht das Spielen Spaß, so sammelt man, unmerklich und langsam, sogar noch Bonuspunkte in Sachen Routine.


    Ja, renn nur nach dem Glück
    Doch renne nicht zu sehr
    Denn alle rennen nach dem Glück
    Das Glück rennt hinterher.


    B.B.
     
    altoSaxo, Bereckis, giuseppe und 9 anderen gefällt das.
  17. cwegy

    cwegy Ist fast schon zuhause hier

    King oder Blocksberg? :D
     
    quax und Iwivera* gefällt das.
  18. Iwivera*

    Iwivera* Ist fast schon zuhause hier

    Brigitte Bardot? Nee, wohl eher Bertolt Brecht.
     
  19. Bb7

    Bb7 Ist fast schon zuhause hier

    Oder Blixa Bargeld`` :)
     
    cwegy gefällt das.
  20. bthebob

    bthebob Strebt nach Höherem

    @indieRunde
    Man oh man ....
    Ihr macht mir langsam meinen hart erkämpften Platz als "Forum-Psychologe" streitig.:)

    Jeder zweiten Faden ist neuerdings "Psycho belastet"

    Liegt's am Herbstwetter, lieg's an der freudigen Erwartung heiliger Tage
    oder wie oder was ?

    VG vom Berliner "Oberpsycho",

    dem letzte Woche viele, viele kleine Fruchtfliegen und andere mentale Probleme
    einen echten -knock out- beschert haben.:(
     
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden