Licks über II-V-I-Verbindungen

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von ppue, 26.Juli.2026.

  1. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Jein, für mich ist es schon wesentlich, was ich über den II Chord spiele, weil das dann auch beeinflusst, was ich bei der V spiele. Wenn ich tonal bei der Dur Kadenz im harmonischen Zentrum bleibe kann ich die auch gegeneinander austauschen. Wenn ich aber substituiere, sollte ich dem Hörer zumindest etwas leicht verdauliches an die Hand /ans Ohr geben, bevor ich bei der V dann substituiere. Ich spiele aber auch ganz oft die II aus und substituiere die dann im V Chord mit dem Tritonus vom II Chord. Das hat Coltrane viel gemacht. Ich werde ein paar Beispiele aufschreiben bzw Dave soll das machen, ich werde es ihm in die Feder diktieren/äh spielen...
     
    StanFan gefällt das.
  2. Tafkah

    Tafkah Ist fast schon zuhause hier

    @Juju

    Ja, spontan ist es auch meine Idee die II auszuspielen und auf der V zu "arbeiten". Meinst du mit der Tritonussubstitution vom II Chord den gleichen Moll 7, halt nur im Abstand eines Tritonus?
    Dann würde (C-Dur) aus D-F-A-C (II) ab-cb-eb-gb (II Tritonus-Substitut) werden, wobei natürlich bei Ab-Cb-Eb-Gb die chromatische Nähe zu C-Dur oder auch C-Moll sehr deutlich ist und viele Zieltöne bzw. Auflösungen möglich sind: Ab zu G abwärts, Cb abwärts zu 7. Stube Bb oder zur Tonika C, Eb aufwärts zur 3. Stufe in Dur oder sogar als Blues-Terz; in Moll bliebe der Ton einfach liegen, Gb aufwärts zur Dominante G
     
  3. Sebastian

    Sebastian Ist fast schon zuhause hier

    @Tafkah
    In freier Wildbahn kommt beides vor.
    bei Giants Steps: ii-V halbtaktig
    bei All the Things You Are: ganztaktig
     
  4. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Genauso. Eric Alexander hat das irgendwo mal beschrieben, dass er sich (als junger Student) gewundert hat, wie abgefahren das ist, wenn Trane oder George Coleman auf der V B-D#-F#-A# spielen, denn er hatte das als Bmaj 7 interpretiert. Dabei war es natürlich das II Tritonus-Substitut von der Terz bis zur None…
     
  5. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Du kannst auf der II halt auch das konventionelle G7 Material (bei C-Dur) benutzen und dann das Tritone-Substitut von der Dominante auf der V.
     
  6. Tafkah

    Tafkah Ist fast schon zuhause hier

    Ich habe eben mal mit Ab-7 über G7 experimentiert und fand es richtig spannend.
     
    kindofblue gefällt das.
  7. Sebastian

    Sebastian Ist fast schon zuhause hier

    Das hat ja auch alle Alterationen und teilt sich gleichzeitig die wichtige Terz:
    Ab b9
    Bb #9/b10
    (Cb 3)
    Db #11
    Eb b13
    Fb 13 oder F 7, wenn man dorisch wählt
    Gb maj7: passt nicht so gut zu G7, aber kann sich zur 5 von I auflösen.
     
  8. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Dieses II-V-Wechselspiel gibt es in beide Richtungen. Barry Harris empfiehlt zum improvisieren (lernen) statt II-V die V alleine. Da kam auch der Link zu @Juju her, über die ich hier Barry Harris‘ Unterrichtsinhalte überhaupt kennengelernt habe.
    Aus D-/G7/C/C wird dann G7/G7/C/C

    Es gibt aber auch Leute, die machen es andersrum. Sie denken primär nur die II.
    Aus D-/G7/C/C wird dann D-/D-/C/C. Das ist vom Tonmaterial (Skala) das gleiche, von den Akkorden, die man dankt aber nicht. Dadurch, dass das H (Terz von G) keine schwere Note mehr ist, bekommt das einen Sus4-Charakter und klingt offener.

    Und dann gibt es als Möglichkeiten für Tritonus-Substitutionen
    - nur auf die V: Aus D-/G7/C/C wird D-/Db7/C/C, also die mittlerweile klassische chromatische Rückung.
    - nur auf die II: Aus D-/G7/C/C wird G#-/G7/C/C.
    - die komplette Sequenz: G#-/Db7/C/C.
    - und die Substitute von den Varienten oben, wo man nur die II oder nur die V denkt (nur G#- oder nur Db7).

    Letztlich ist das Mathe und Demenzprophylaxe, aber zählen tut es erst, wenn es gut klingt…
     
    Loppi und Silver gefällt das.
  9. tehjay

    tehjay Kann einfach nicht wegbleiben

    ...naja, ganz so simpel ist das mit Barry Harris nicht, auch wenn die Harris-Methode II-V-I m.E. viel einfacher ist als das über Modes anzugehen (übrigens speziell im alterierten Bereich). Deswegen hier noch eine kleine Anreicherung seiner Betrachtung:
    + die 5. Stufe von G7 ist die D-, er sagt insofern, denke in G7 aber spiele zunächst die fünfte Stufe (bzw. deren Chord-Tones)
    + er hat ein Regelset, welches bei Achtelnoten -in Abhängigkeit wo man startet- Zwischentöne einfügt, so dass auf den starken Downbeats immer "passend" spielt.
    + da sich ein Dom7 Akkord aus der "Erniedrigung" eines Tones einer verminderten Skala ergibt, schlussfolgert er, dass alternativ / substitutiv auch immer die Skalen der drei anderen Dom7-Akkorde der gleichen verminderten Skala verwendet werden können (playing with family first). Für G7 ergeben sich die Substitute: Bb7/Db7/E7.
    + "The six on the fifth" ermöglicht "Movement" und Klangfarbe in den I - Akkord zu bringen. Ein G6-Arpeggio kann auch als Cmaj9 gelesen werden.

    Daraus kann sich dann z.B. ergeben:
    G7(von der 5.Stufe)/E7/G6°/C6°
     
    giuseppe gefällt das.
  10. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ja, das ist alles auch Barry Harris, was du in den Post reingepackt hast, Sextakkorde, verminderte Akkorde und deren Austausch über symmetrische Verwandtschaft, Verwendung von chromatischen Zwischentönen. Gutes Zeug und Arbeit für Jahre. Damit kann man natürlich noch viel weiter reharmonisieren.
    Mir ging es eher darum, zu vereinfachen, deharmonisieren und aufzugreifen woher der Tipp kam, statt der II-V nur V zu spielen. Und insbesondere beim Stücke lernen das Sint vereinfachen war eben auch so etwas von Harris. Da gibt es einen Workshopmitschnitt, wo er ein paar Sätze über die unnötige Komplexität verliert (Nobody played a II back then…). Vielleicht finde ich es.
     
    tehjay gefällt das.
  11. Sebastian

    Sebastian Ist fast schon zuhause hier

  12. Sebastian

    Sebastian Ist fast schon zuhause hier

    Nachtrag:

    Ab dorisch hat die gleichen Töne wie Db mixolydisch, daher kann man wohl auch direkt an die Tritonussubstitution der V7 denken.

    Grundsätzlich hat mich irgendwann früher mal folgende aufgeschnappte "Definition" erheitert: "A jazz musician plays all kinds of crazy sh*t on the V7 and then resolves it."
     
    Zuletzt bearbeitet: 1.August.2026 um 09:27 Uhr
    giuseppe gefällt das.
  13. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich verstehe ja, was ihr schreibt und aufzeigen wollt. Intendiert war allerdings eine Sammlung von Licks. Praktisch, nicht theoretisch.

    Das notiert man mit Punkten und Strichen auf fünf parallel geführten waagerechten Linien.
     
  14. OnkelSax

    OnkelSax Ist fast schon zuhause hier

    Stimmt...das war dein Anliegen. Mit dem ganzen theoretischen Krams, so wichtig das vielleicht auch ist, kommen Amateure wie ich z. B. nicht weit.
    Im übrigen war mein Beitrag (Lick) wohl nicht diskussionswert....macht aber nix.
     
  15. ppue

    ppue Mod Experte

    Ja, das ist untergegangen. Aber auch das Diskutieren der Licks fand ich gar nicht so erstrebenswert.
    Dein Lick ist toll, auch wenn er keine Alteration gebraucht. Sind ja alles Töne aus dem Grundakkord G7.
     
    OnkelSax gefällt das.
  16. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Dein Anliegen in allen Ehren, aber das ist der normale Gang eines Threads - ich find's so hoch interessant. In anderen Fällen bist du übrigens einer derer, die für den liberalen Umgang mit den Themen stehen. Siswiesis.
     
  17. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ich finde es auch super spannend. Ich gebe zu, Noten- und Hörbeispiele sind noch besser. Aber meine Teilnahme findet aber vor allem in Pausen zwischen Arbeiten, Kochen, Aufräumen, in der Warteschlange an der Kasse, etc. statt. Da habe ich kein Notenpapier, kein Sax, keine Aufnahmemöglichkeit. Ich denke bei vielen ist es ähnlich. Wären wir konsequent, wäre der Thread ziemlich leer. Wär’s besser? Vielleicht, für mich aber eher nicht.
     
  18. mato

    mato Strebt nach Höherem

  19. ppue

    ppue Mod Experte

    Wenn man ein paar Jahre sammelt, sollte schon was zusammen kommen.

    Die ganze Theorie ist sicherlich für viele spannend, für noch viel mehr Personen ist sie aber schier unverständlich.
    Ich habe die Seite angelegt, weil es in dem Theorie-Thread (https://www.saxophonforum.de/threads/dom7alt.71398/) eben nur Theorie gab und ich von einer ganz anderen Seite das Spiel über die Dominante vermitteln möchte.

    Das geht ganz viel und vielleicht sogar besser, wenn man z.B. die alterierte Leiter und ihre Anwendung ins Ohr bekommt. Ich wollte auch denjenigen Melodien ans Herz und in die Ohren legen, die nicht im Traum solche krummen Töne einbauen würden und die auch nicht drei Hefte mit Licks im Regal stehen haben.

    Aber wie gesagt, ich werde das vielleicht noch einmal woanders anfangen. Kann ja die bisherigen Licks dann kopieren.

    Das stimmt. Ich wäre aber verstimmt, wenn im Fotothread nur über die Brennweite diskutiert würde.
     
  20. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Verstehe deinen Punkt. Vielleicht musst du als Mod die echten Licks extrahieren oder den anderen Kram in den Theoriethread verfrachten.
     
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden