Andere Instrumente mit dem Tenor begleiten

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von mato, 21.Mai.2024.

  1. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Bei einem derzeitigen Duo Projekt (Jazz-Standards) wäre es förderlich, wenn ich die Gitarre bei ihren Soli unterstützen würde. Ich habe schon probiert dezente Linien aus den Akkordtönen zu stricken und leise mit Subtone ganz- und halbtaktig dazuzuspielen. Aber so richtig toll klingt es nicht.
    Gibt es hier einfache oder auch aufwändigere Tricks, oder sogar Literatur, die sich mit dieser Aufgabe näher beschäftigt?
    Hilfreich wären auch Hörbeispiele/Youtube Videos, wo so etwas zu hören ist.
     
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  2. Saxax

    Saxax Ist fast schon zuhause hier

    Moin Mato,

    im Duo ist das heftig. Man kann natürlich versuchen, mit dem Tenor Basslinien zu blasen, aber das klingt meistens auch nicht so toll, ist dafür aber recht anstrengend.

    Nach dem was Du geschrieben hast, vermute ich, dass Du Guidelines kennst, findest und auch anwendest. In den Teilen, wo sich das nicht anbietet, versuche ich häufig, eine kurze (!) eins als Orientierung zu geben. Um dann die Akkordwechsel zu markieren (das durchaus wieder im Sinne von Guidelines). Meistens ist das der Grundton der alten Harmonie ungefähr auf der 3 und (etwas länger) und die neue Harmonie prägnant und kurz auf die eins. (Das ist dann ähnlich, wie das, was Pianisten beim comping tun)

    Je nach harmonischer Komplexität kann man auch noch mit Riffs arbeiten. Vielleicht lohnt es, sich bei den reinen Saxbesetzungen (Trios, Quartette usw. reinzuhören, was die in solchen Situationen treiben.

    Viel Spaß bei Duo

    keep swinging

    Dein Saxax
     
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  3. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Halbtaktige Linien und/oder rhythmische Riffs mit Guidelines. Nicht ständig, aber oft.
     
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  4. altoSaxo

    altoSaxo Ist fast schon zuhause hier

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  5. ilikewoods

    ilikewoods Kann einfach nicht wegbleiben

    Ich würde Obligati spielen. Mache ich auch auf Sessions gern. Ist schwer, weil du das Phrasing und die "Atmung" der anderen vorherahnen musst, ist aber eine sehr gute Schule für melodische Impro!

    Basslinien oder Riffs sind vielleicht ungünstig, da:

    -Nur ein Instrument (Tenor) diese spielt

    -Das Tenor zu hoch gestimmt ist, um wirklich zu bassieren

    -Das Tenor soundmäßig gegenüber einer (E-)Gitarre relativ durchsetzungsfähig ist.

    Ich empfehle Lester Young mit Billie Holiday, eine Masterclass in Obligati
     
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  6. 47tmb

    47tmb Gehört zum Inventar

    Wieviel macht denn der Saitling? Vielleicht reichen ja ein paar kurze fills in den hoffentlich vorhandenen Pausen.
     
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  7. mato

    mato Strebt nach Höherem

    Danke für eure Antworten. Das rhythmische Muster mit der 3+ und 1 werde ich mal austesten. Bisher habe ich immer nur halbe und ganze Noten gespielt.
    Toll wäre eine Art walking Bass, aber da fehlt mir die rhythmische Ausdauer und Präzision um das überzeugend und vor allem unterstützend spielen zu können.
    Was Obligati ist, muss ich erst mal nachschauen. :)
     
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  8. Hewe

    Hewe Strebt nach Höherem

    Bloß jetzt so ein spontaner Einfall: Gar nicht Töne spielen, sondern Rhythmik mit klopfenden Klappen. Setzt natürlich eine Mikrophon-Verstärkung voraus. Freundliche Grüße von Hewe
     
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  9. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Obligati kenne ich nur aus der Klassik, was @ilikewoods genau meint weiß ich nicht.

    Angeregt durch die Frage von @mato habe ich mal bei YouTube geschaut - es gibt diverse Duos Sax - Gitarre. Aber: Ich habe nur ein Video gefunden, wo das Alt-Sax ein Gitarrensolo begleitet. Ist wohl nicht so häufig, geht aber:

     
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  10. Rick

    Rick Experte

    Meine Gitarristen wollen lieber Perkussion als Begleitung.
    Dementsprechend bin ich schon mit Shakers, Hihat und Besen (auf Pappkarton oder gleich mit Snare und Stativ) angerückt. Auch eine gute Übung!
     
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  11. Tafkah

    Tafkah Ist fast schon zuhause hier

    @mato: das "Comping" sieht ja meist genau anders herum aus, wenn z.B. die Gitarre ein Sax oder eine Singstimme begleitet. Es ist aber sehr reizvoll, den Spieß umzudrehen.
    Einer meiner Favoriten im Comping war immer Joe Pass, und seine Begleitung von Ella ist grandios. Da würde ich mir einiges anhören bzw. anschauen, z.B.:



    Es gibt ja ganze Alben von Ella mit Joe, und auch wenn der gute Joe natürlich 6 Saiten hat, ist doch der Fluss von angeschlagenen Single Notes plus Akkorden, die Rhythmik und der Duktus, eine wahre Fundgrube. Da bleibt beim Hören bestimmt auch ein gewisses Grundgefühl hängen.
    Feeling (rhythmischer Fluss, Registerwechsel, weite Führung, enge Führung) und Harmonik (geschickte Auswahl von Akkordtönen) sind der Schlüssel, aber auch eine große Aufgabe.
    Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg dabei. Du hast es ja drauf.
     
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  12. ppue

    ppue Experte

    Das ist wahrscheinlich die beste Lösung, wenn es um Swing geht. Im dritten Stück nach diesem Muster wird das aber dann auch langweilig.

    Kommt auf die Stilistik der verschiedenen Stücke an. Im Blues könnte es ein kurzer, sich wiederholender Riff sein. Bei modalen Stücken ist es einfacher, da reicht mal der Grundton, mal die Quinte. So gesehen, kann man auch verschiedene Jazzstile mischen, damit es abwechslungsreich bleibt.

    Oder man bricht das starre Solospielen auf und lässt die beiden Instrumente eher call and response spielen.

    Walking Bass geht eher nicht, höchstens rhythmisch aufgelockert mit vielen Pausen. Im Video oben mit dem Alt geht es schlecht, er spielt aber auch keine schönen Linien. Auch hier ginge 2 und 2. Zwei Takte Akkorde plus Walking Bass und dann zwei Takte Guitar Solo.

    Sehr erfrischend, wenn man sich kleine Gemeinsamkeiten komponiert, die man gezielt unisono, oder zweistimmig, plötzlich raushaut. Oder einen halben Chorus mit einer vorher festgelegten Rhythmik dat,., dedadat,.., dedadat, irgendwie mit den Akkordtönen.
     
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  13. Witte

    Witte Ist fast schon zuhause hier

    @mato Als erstes, fiel mir darauf ein, rhythm section bedienen ein.;) Vll. das Tenor als Barisax denken…
     
    Zuletzt bearbeitet: 22.Mai.2024
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  14. Witte

    Witte Ist fast schon zuhause hier

    Iss auch echt ne Aufgabe zumindest möglichst präzise die Rhythm Section zu „bedienen“, finde immer noch ausreichend eigene „Baustellen“…;)

    Finde da nach wie vor Slayer äußerst präzise…, und von daher zumindest für mich sehr interessant…

    Man muss ja die Musik nicht mögen, aber der Rhythmus und das präzise Timing…

     
  15. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Wir haben das gleiche Problem im Quartett, mit nur einem Harmonieinstrument, nämlich der Gitarre. Der Gitarrist würde sich auch gerne mal eine harmonische Begleitung neben dem Bass zu seinen Soli wünschen, aber ist nicht so einfach.

    Es ist auch ein Unterschied, ob man eine Begleitlinie zu einer festgelegten Melodie spielt (Young, Holiday) oder ein Solo sinnig begleitet.

    Ich greife ja dann auch gerne mal zur Perkussion, aber die wird eigentlich ganz gut schon von unserem Perkussionisten abgedeckt, und mehr passt dann auch nicht bei jedem Stück.

    Im Endeffekt mache ich dann doch meist Pause. Als ich mal im Duo mit dem Gitarristen spielte, habe ich mir hier und da Begleitlinien zurecht gelegt, die sich an der linken Hand eines Pianisten orientierten, wenn er sich selbst beim Solo begleitet, also rhythmisch variierende Einwürfe mit Akkordtönen. Funktioniert aber auch nicht bei jedem Stück gleich gut.

    Gruß,
    Otfried
     
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  16. giuseppe

    giuseppe Strebt nach Höherem

    Obligato wird m.E. im Jazz (nicht ganz stimmig zur klassischen Bedeutung) für die „Gegenmelodie“ verwendet, d.h. dann spielen, wenn der Solist Lücken lässt. Ursprünglich die Klarinette zum Kornett, dann Pres zu Billie, der vermutlich damit ziemlich stilprägend war in der Frage „wie man sowas macht“.
    Im Duett geht das m.E. wenn das Stück langsam oder rubato ist. Wenn es schneller wird, lädt es die „Bürde der Time“ noch mehr auf dem Solisten ab, der nicht mehr mit ihr spielen kann. Etwas besser geht vielleicht das Obligato im Stil von Mulligan zu Baker oder Brookmeyer, das von der Rhythmik einfacher erscheint.

    Ich muss bei dieser Frage immer an die zwei Studenten im Central Park denken, die sich mit ihrem Duettspiel nachhaltig in meiner Birne eingebrannt haben, ich hab es schon mal erzählt.
    Tenor und Posaune, und der, der nicht das Thema spielte oder solierte, spielte eine zweite Stimme, die in der Funktion als Walking Bass, Akkordton-Perkussion, homophone 2. Stimme oder auch Obligato wechselte. Das hatten beide so wahnsinnig gut drauf, dass man stehenbleiben musste, zum wundern, verstehen, staunen und genießen.

    Ich vermute, die hatten ihre Stücke immer wieder auf verschiede Art gespielt und sich mal mit Walking, mal mit Gegenmelodien, mal mit perkussiven Noten begleitet und den anderen dabei so gut kennengelernt, dass sie das irgendwann mischen und wechselnd konnten, je nach dem aktuellen musikalischen „Bedarf”.
     
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  17. ilikewoods

    ilikewoods Kann einfach nicht wegbleiben

    Billie Holiday singt nie die festgelegte Melodie und bei vielen der Allstaraufnahmen die Musiker die Stücke, die oft neu waren, im Studio innerhalb weniger Minuten lernen müssen. Buck Clayton hat irgendwo mal gesagt, dass sie dann für Begleitmelodien geschaut haben, wann Billie atmete
     
  18. ppue

    ppue Experte

    Na ja, man kannte ja die Stücke und auch den Text, machte dann seine Fills im Anschluss an den letzten Satz, auch wenn Frau Holiday die Laid-back-Sängerin persé war und man noch ne gefühlte Minute warten musste, bis sie mit dem Text fertig war (-;
     
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  19. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Schaut öfter mal vorbei

    Hi Mato. Als erstes fällt mir "Lilly was here " ein, allerdings mit Altsaxophon von Candy Duffer.

    Es gibt aber auch einen Exoten aus Russland der 80n, den ich sehr mag. Insbesondere Solo Gitare + Tenorsaxophon im dritten Abschnitt.

    Liebe Grüße, Alex
     
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  20. ilikewoods

    ilikewoods Kann einfach nicht wegbleiben

    In Teddy Wilsons Autobiographie steht, die Songs seien meistens brandneu gewesen und oft auch unbekannt. Sie hätten dann diese neuen, mittelmäßigen Songs auf Wunsch der Plattenfirma aufnehmen müssen, weil diese Verträge mit den Urhebern hatte oder so etwas
     
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