Der eigene Sound?

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von bluefrog, 2.Januar.2015.

  1. Claus

    Claus Mod Emeritus

    Vielleicht kommt ja der Like-Button noch irgendwann...
     
  2. Nordstern

    Nordstern Ist fast schon zuhause hier

    Hoffentlich nicht! :)

    Man könnte somit weiter bei vollständigen Sätzen, wie z.B. :" Das hast du aber schön gespielt, gesagt, formuliert..." bleiben. ;-)

    Liebe Grüße,
    Nordstern
     
  3. Mugger

    Mugger Guest

    Moin,

    andererseits wären Threads wesentlich übersichtlicher, wenn man "Danke", "Informativ" "Ich bin respektvoll anderer Meinung" drücken könnte, ohne dass man sich für Information durch 100 Seiten wühlen muss.

    Liebe Grüße,
    Guenne
     
  4. Mugger

    Mugger Guest

    Moin,

    andererseits wären Threads wesentlich übersichtlicher, wenn man "Danke", "Informativ" "Ich bin respektvoll anderer Meinung" drücken könnte, ohne dass man sich für Information durch 100 Seiten wühlen muss.

    Liebe Grüße,
    Guenne
     
  5. Ginos

    Ginos Strebt nach Höherem



    Like, :danke:
     
  6. Brille

    Brille Strebt nach Höherem

    Da bin ich respektvoll anderer Meinung ;-)
     
  7. Ginos

    Ginos Strebt nach Höherem



    naja, der Spassfaktor könnte darunter leiden ;-)
     
  8. Rick

    Rick Experte

    Hallo Helmut!

    Das ist eine gute Beschreibung, ging mir ähnlich.

    Wie ich mehrfach andernorts erwähnt habe, wollte ich als 14-Jähriger zunächst Alto spielen (Willie Smith, der Lead-Altist von Harry James, war mein erstes Sax-Idol), doch meine Eltern bekamen ein günstiges gebrauchtes Taiwan-Tenor angeboten und meinten, das müsse es erst mal tun.

    Auf dem Tenor war mein Ideal vom Hören her Coleman Hawkins, aber ich klang mehr Richtung Lester Young - kein Subtone, kein Vibrato...
    Das fand ich allerdings interessant und ich begann, mich bei Lester Young einzuhören, diesen Stil zu kultivieren.
    Mit der wachsenden Spielerfahrung bekam ich allmählich heraus, wie man einen Hawk-Sound entwickeln kann, wie ich meinen Ansatz verändern muss, um dieses "Wuchtige" zu erzeugen. Jetzt konnte ich je nach Laune mal eher so oder so klingen.

    Später kamen u. a. noch Stan Getz und Sonny Rollins hinzu, Ben Webster sowieso - wie ein Stimmenimitator konnte ich, ein gutes Blatt vorausgesetzt, unterschiedliche Sounds nachahmen.
    Das machte mir Spaß, erfreute manchen Kenner im Publikum, brachte jedoch keinen großen Erfolg.
    In den 1980ern war kaum jemand an Prez oder Bean oder gar Willie Smith interessiert, die angesagten Vorbilder auf dem Tenor lauteten stattdessen John Coltrane (Bop) und Michael Brecker (Fusion, Pop). Also machte ich mich daran, herauszufinden, wie man ihre Sounds hervorbringen könnte, was die jeweilige Stilistik kennzeichnete.

    Diese "Forschungsarbeiten" haben meinen Vorrat an Ausdrucksmöglichkeiten enorm bereichert, aber was davon ist nun MEIN Sound?

    Gewiss mache ich das alles irgendwie auf meine individuelle Art, wer mich ein wenig kennt, kann mich wahrscheinlich schon heraushören, gerade weil ich auch nie jemanden hundertprozentig kopieren wollte, ich wollte immer nur herausfinden, "wie der Trick funktioniert", um es mal banal auszudrücken.

    Es gibt bestimmt Leute, die meinen, ich würde immer nach mir selbst klingen, die vielleicht die Feinheiten im Ausdruck gar nicht bemerken oder sie mangels Hörerfahrung mit meinen Vorbildern überhaupt nicht einzuordnen wüssten.
    Aber damit kann ich leben, Hauptsache, ich habe beim Spielen meinen Spaß, wenn ich mal wieder in die Kiste greife und den ollen Johnny Hodges oder den mittlerweile auch schon angestaubten Stanley Turrentine heraushole. :-D

    Je nach Musikrichtung existieren sicherlich Vorstellungen eines "amtlichen" Sounds, wobei die freilich Geschmackssache sind und Moden unterliegen.

    Im traditionellen Jazz wurde meiner Ansicht nach früher mehr Wert auf einen persönlichen Sound gelegt, viele Musiker trachteten danach, eindeutig wiedererkennbar zu klingen.

    Das bezog sich ebenfalls auf die Ensembles: man hörte meist sofort, ob es sich um eine "weiße" oder "schwarze" Band handelte, die Orchester von Benny Goodman, Woody Herman, Duke Ellington oder Count Basie konnte ein Experte oft schon nach den ersten Takten einer Aufnahme anhand der spezifischen Bläserklänge zweifelsfrei identifizieren.
    Lead-Spieler wie Trompeter und Altisten wurden ganz konkret aufgrund ihres unverwechselbaren Sounds engagiert, erfahrene Arrangeure wie Duke Ellington schrieben ihre Partituren den jeweiligen Musikern auf den Leib, weil sie genau wussten, wie diese die Noten umsetzen würden.
    (Es wird gesagt, dass Ellington sogar bewährte Arrangements umschrieb, wenn ein Musiker wechselte, weil sich damit der Ensembleklang veränderte.)

    Später wurde meiner Meinung nach der Klang eher standardisiert, es war die Rede vom "amtlichen" Sound, die große Ära des Individualismus endete im Mainstream Jazz.

    In Rock und Pop hingegen dauerte dieser Prozess bis in die 1990er - seit dieser Zeit "muss" man nach meiner Wahrnehmung Richtung Sanborn, Dulfer, Brecker oder Kenny G. klingen, sonst bekommt man keine nennenswerten Jobs mehr.

    Mit der Klassik kenne ich mich zu wenig aus, doch auch da herrschte meines Erachtens früher mehr Freiheit und gibt es heute mehr Standardisierung.
    Ich kann mich aber auch täuschen. Letztlich ist alles eine Frage des eigenen Geschmacks und der jeweiligen Fähigkeit bzw. der Bereitschaft, seinen Klang zu verändern, einer Mode anzupassen.

    Der "persönliche Sax-Sound" ist auf jeden Fall ein spannendes Thema für jeden Spieler, bei dem ich (jedem Fortgeschrittenen mit stabilem Ansatz) Experimentierfreudigkeit empfehle, um die eigenen Möglichkeiten auszuloten - man kann sich nur weiterentwickeln! :)


    Schöne Grüße,
    Rick
     
  9. Mummer

    Mummer Ist fast schon zuhause hier

    Ich sehe die Bildung des eigenen Sounds auf dem Saxophon als einen sehr langwierigen, vielleicht nie endenden Prozess an.
    Bei mir spielt sich das so ab, dass das Ensemble Spieler - Saxophon im Laufe der Spielpraxisjahre (bei mir werden es 9) , immer mehr eine Einheit bildet.
    Dadurch entsteht mehr und mehr der Eindruck, dass ich nicht nur Luft in das Mundstück blase, um dadurch den Ton entstehen zu lassen, sondern das ich mit meinen persönlichen Gegebenheiten wie Lungenvolumen, Stütze, Kehlkopf- Rachen- und Mundhöhlenanatomie, einschliesslich der entsprechenden Muskulatur und letzlich auch mit meinen nicht physischen Eigenschaften, wie Charakter, Stimmung, Vorstellung, Seele, einen Sound erzeuge, der dem entspricht, was meine Stimme ist, nur, dass ich nicht spreche, sondern meiner Stimme über das Saxophon Ausdruck verleihe.
    Das wäre für mich der persönliche, authentische Saxophonsound.

    Somit halte ich auch nicht viel von den Empfehlungen, die sagen: Du sollst Dir erst einmal klar darüber sein, wie Du klingen willst, bevor Du Dich mit dem Equipement weiter beschäftigst.
    Das wäre für mich so, als sagte man dem Kleinkind: bevor du anfängst zu sprechen, solltest du erst mal wissen welchem Vorbild du sprachlich ähneln willst.

    Resumé: wenn ich als Saxophonspieler unbefangen, ohne Leitsoundvorstellung an das Spielen herangehe, habe ich meinen eigenen Sound, der sich im Laufe der Jahre mehr und mehr herausbildet und stabilisiert, so, wie ich viele Jahre brauchte um meine eigene Stimme zu entwickeln.

    LG
    Mummer
     
  10. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Dies deckt sich mit meinen Erfahrungen!
     
  11. Austrianer

    Austrianer Schaut nur mal vorbei

    Hallo Dreas und Bluefrog,

    Ja, bin sozusagen neu hier.
    Aber wenn ich jeden Thread immer erst ganz durchlesen würde, müßte ich bestimmt mein Übungspensum reduzieren... :sorry:

    Ich finde ein Experimentieren als die einfachste und effizienteste Möglichkeit am Sound zu feilen, und noch dazu unmittelbar hör- und vergleichbar. Eine Tonaufnahme hilft dabei enorm, weil der Sound am Spielerohr anders ankommt als im Publikum.

    Ist bestimmt auch schon gesagt worden, aber was soll's...

    LG
    Austrianer
     
  12. Roman_Albert

    Roman_Albert Ist fast schon zuhause hier

    Individualität ist eine ziemlich beliebige und nichtssagende Qualität, weil wirklich JEDER anders und einzigartig ist.

    Ich versuche in erster Linie, gut zu spielen, also mit halbwegs sauberem Timing und Intonation, und die technischen Möglichkeiten zu nutzen, die mir gerade gegeben sind.

    Im symphonischen Umfeld benutze ich auf dem Bari ein anderes Mundstück als bei der Big Band oder Rock Band, schon alleine, um ein pianissimo spielen zu können, wie es sich in einem solchen Kontext gehört. Das ginge auf dem Runyon gar nicht :-o

    Dass ich auf Grund meiner individuellen Unzulänglichkeiten immer wie ich klinge, ergibt sich automatisch.

    Insofern ergibt sich für jeden Musiker ein individueller und eigener Klang, ober er/sie will oder nicht.

    Das Experimentieren mit unterschiedlichen Sounds zur Befriedigung der eigenen Ansprüche und Klangideale ("wie kann ich klingen wie Stan Getz?") gehört bei vielen zum Spass dazu, bei anderen ist es die Suche nach den perfekten und ausgeglichenen 16tel Läufen im Altissimo Bereich.

    Ja, jeder ist anders, und Individualität die universellste und damit eigentlich "billigste" Eigenschaft.
    Alles andere, vor allem alles Gute, kostet wesentlich mehr Arbeit :)
     
  13. saxkai5

    saxkai5 Ist fast schon zuhause hier

    Toll, dass das mal jemand so ausgesprochen hat. Dieser "EIGENE Sound" wird hier im Forum zu oft zu wichtig genommen. Das "FUNKTIONIERENDE Gute" bleibt außen vor und wird nicht länger betrachtet.
     
  14. rbur

    rbur Gehört zum Inventar

    Ich nicht!

    Bei gefühlt achtundundzwölfzig Millionen Saxophonisten weltweit frage ich ich auch, wie jeder da einen eingen, indivisuellen Sound kriegen will und wie man die dann unterschieden kann.
     
  15. Claus_6

    Claus_6 Ist fast schon zuhause hier

    Das ist bei uns halt fast wie bei den Schneeflöckchen! Durch genaueres Betrachten (unter dem Mikroskop) ist jede einzigartig... also gaaanz genau hinhören :cool:
     
  16. chrisdos

    chrisdos Strebt nach Höherem

    Sicher macht es keinen Sinn den eigenen Sound zu SUCHEN wie eine Nische auf einem übersättigten Markt. Was vor allem zählt ist es den eigenen Sound zu mögen/zu genießen. Niemand erfindet das Rad neu. Und wenn man den Sound von xy mag, versucht ihn zu imitieren und sich so besser gefällt, dann ist es doch wunderbar.

    Als ich angefangen habe mich für Saxophon zu interessieren, hat ein Saxophon halt nach Saxophon geklungen. Mit Sound habe ich mich da noch nicht bewusst beschäftigt. Viel wichtiger war da die Stilrichtung der Band. Da wollte ich dann auch SPIELEN können wie xy und nicht so klingen... :)
     
  17. ppue

    ppue Mod Experte

    Wie in dem unbehauenen Steinklotz die Skulptur des Bildhauers schon versteckt ist, so steckt der eigene Sound schon in den ersten Tönen eines Saxophonanfängers.
    Er ist nur noch nicht frei gelegt.

    Der eine Schüler bläst kraftvoll und mit Vehements ins Instrument, der andere geht es vorsichtig an. Ganz nach Charakter, um den man gar nicht herum kann. Das Herausschälen des eigenen Tones aus diesem Tonklotz passiert ganz automatisch mit jedem Ton, den man probiert. Da braucht man nichts für zu tun.

    Nach einer Weile bekommt man mehr und mehr Vorstellungen über den Klang und plötzlich merkt man, dass dieser mit einem anderen Setup besser zu verwirklichen ist. Da ist der eigene Ton aber schon angelegt, Mundstück und Blatt sind nur Hilfsmittel zur einfacheren Verwirklichung.

    Man sucht also keinen Sound, sondern er findet sich.

    Dazu kommt, dass 70% dessen, was wir Sound nennen, gar keine Soundeigenschaften sind, sondern durch die Spielweise bedingt ist. Die Auswahl der Töne, die Verzierungen, die gesamte Phrasierung, die eigenen Licks, das Bending, Vibrato, all das ist nicht eigentlich Sound, sondern gehört zur Art und Weise, wie der Künstler den Strich malt.

    Beim reinen Sound hat man weniger Möglichkeiten, als man glaubt. Man kann Subtones spielen, Growlen, einen wärmeren oder einen spitzeren Ton haben. Mehr ist da nicht drin.

    Ich selbst habe keinen eigenen Sound in dem Sinne. Interessiert mich nicht all zu sehr, muss mich auch nicht gegenüber anderen absetzen.

    Warum also nach einem Sound suchen. Das macht kein Sänger, dass er anders als er selbst klingen möchte. Mit der Technik kann er allerdings sein Instrument so einsetzen, dass das, was an Stimme in ihm steckt, optimal zum Ausdruck bringen kann. Natürlich kann es sein, dass man wie Elvis klingen möchte. Dann aber ist das auch die eigene Anlage, die einen dahin gebracht hat.

    Der eigene Sound ist somit nichts anderes als die eigene Authentizität..
     
  18. Claus

    Claus Mod Emeritus

    Danke! Die Frage habe ich mir insgeheim in diesem thread auch schon mehrfach gestellt.

    Dass nicht alle auf dem gleichen Setup gleich klingen, würde ich jederzeit unterschreiben. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass alle unterschiedlich klingen.
     
  19. 47tmb

    47tmb Gehört zum Inventar

    Der "eigene sound" ist doch, wenn ich so klinge, wie ich klingen möchte.

    (Achtung, ein Mensch mit 'ner Tenorstimme wird nie wie Ivan Rebroff klingen, auch wenn er möchte :). Gleiches gilt für den SAX-sound. Basis sind die eigenen anatomischen Anlagen.
    Heißt: (Achtung Frustpotential!) Unter Umständen wird man nie so klingen, wie man möchte, weil anatomisch unmöglich. ----- So what?)

    Ob das so klingt wie jemand anderes ist doch unerheblich.

    Deswegen spielen wir auch SAX.

    E-Gitarrer sind doch auch auf der ewigen Suche

    Welcher body?
    welche Saiten?
    welche Abnehmer?
    welche Effektgeräte?
    welcher Verstärker? Ggf. Welche Röhren?
    welche Box?

    .........bis es endlich so klingt, wie......
     
  20. Rick

    Rick Experte

    Danke für den Hinweis, absolut zutreffend - das alles subsumiere ich auch unter "Sound", weil es ein untrennbares Ganzes ergibt, wie ich finde.

    In dem Zusammenhang möchte ich aber gerne noch mal an die Stimmenimitatoren erinnern. Natürlich können sie nicht ihre Stimme an sich ändern, aber wir haben so viele Variationsmöglichkeiten in Kehlkopf, Rachen, Mund usw., dass man trotzdem zu ganz verblüffenden Ergebnissen kommen kann.
    Auch als Sänger. Und als Saxofonist. :cool:

    Das unterschreibe ich gerne.

    Schönen Gruß,
    Rick
     
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