Ich würde so gern auswendig spielen können

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von Saxoryx, 11.November.2025.

  1. Tobias Haecker

    Tobias Haecker Ist fast schon zuhause hier

    Puuh, solche Threads erinnern mich, warum ich so lange nur für meinen Blog geschrieben habe :p

    Zwischen ein paar bemerkenswert guten Insights ist eine Menge Blabla, Ego, Anmaßungen, Offtopic (mir bewusst, dieser Post das auch ist) und Verwirrendes bzw. Verwirrtes ist.

    Ich möchte mich da allgemein auf die Reaktion des Bob Reynolds Videos beziehen.
    Zum Beispiel idt einer der Karate Kids ein sehr erfahrener Profi bei anderen von fen Bergen frage ich mich schon, wo die Credentials liegen, so harsch zu urteilen...
    Zu Influencerbshing: die sind auch nur Menschen und ich habe mich auch schon gewundert, was da einige Reichweitenstarke für Quatsch fabuliert haben, dennoch halte ich mich mit meiner Kritik eher zurück, denn such Influencer müssen nicht unfehlbar sein um allgemeinen guten Content zu liefern.
    (Gerade solch Geschnatter hat mich sehr zurückhaltend gemacht von mir Clips hochzuladen.)
    Zu Methoden und die Didaktik dazu. Let's face it. Musik ist keine exakte Wissenschaft und viele der Saxlehrer haben keine umgängliche systematische Lehrausbildung. Gerade bei den Amis merkt man das, wie schwammig und individuell das ist. Hat hier ein Mitglied schon sehr treffend formuliert.
    Heißt nicht, dass es nicht gut und effektiv ist. Allerdings ist vieles davon eher mittelmäßig und mich stört dann eher das amerikanische Selbstbewusstsein, die das immer als "die ultimative Methode" für nur 29,99 Dollar im Monat als Videokurs verkaufen.
    Aber andererseits, auch die Didaktik ist keine wirklich harte Wissenschaft und da wird dann auch alle 5 Jahre ein neues Dogma durch die Seminarräume getrieben, damit man neue Papers schreiben kann....

    Um ehrlich zu sein, ca 1/3 meiner Methoden erfinde ich spontan im Unterricht. Die sind dann aber halt individuell zur Problematik des Schülers, was oft deshalb recht effektiv ist.
    Instrumentalpädagogen sind eigentlich nur Heilpraktiker für Musiker, oder?
     
  2. catflosse

    catflosse Kann einfach nicht wegbleiben

    Hier gibt es ja schon viele schöne Hinweise. Ich lerne schnell und viel auswendig, weil ich auch Schauspiele und Texte lernen muss. Auf jeden Fall hilft es, und ich kann nicht sagen warum das so ist: es hilft dabei zu gehen. Einfach rumlaufen beim lernen. Bei der Musik hilft es mir, die Progression zu kennen. (Autumn Leaves zum Beispiel 2,5,1,4,7,3,6 Quintenfall oder Bernies Tune 1,6,2,5) Ich lerne die langen Noten und Starken Beats zuerst, weil man da landen muss. Dann lerne ich, was bei einer Phrase, die ähnlich klingt, stehen bleibt, und was sich ändert (All of me Anfang). Und einfach viel nach Gehör spielen. Ich finde, es spielt sich viel entspannter auswendig und es ist halb so wild. Wie Gedicht lernen. Lesen fetzt natürlich auch. Spiel doch auswendig mit Noten auf dem Ständer und schau nur hin wenn's sein muss. Meine Band meckert, wegen der Noten. Sie finden, es klingt besser ohne. Man ist mehr zusammen, weil man mehr auf die anderen achtet - sagt der Frank. Gute Stücke für einen Anfang beim Auswendig lernen sind einfache Dinger, die du kennst. Summertime, All of me. Die Quintessenz ist vielleicht, man muss die Musik verstehen, wenn man sie frei spielen will. Also fang mit einfachen Stücken an. Wenn man verstanden hat, warum jetzt diese Note kommt und keine andere, dann kann man die auch auswendig setzen. Du kannst sicher auch ein chinesisches Gedicht lernen, aber nur schwer, wenn du die Sprache nicht verstehst. Bei der Musik ist das ähnlich. Gieseking, der Pianist, hat alle seine Schüler das Stück erst ohne Instrument lesen und auswendig lernen lassen und dass im Dunklen ohne Noten ans Klavier geschickt. Das kann ich natürlich nicht. Der Grund ist wohl, dass die Noten zwar aufgeschrieben sind, nicht aber die Übergänge dazwischen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16.April.2026
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  3. Peterchen

    Peterchen Schaut nur mal vorbei

    Auswending bleibt bei mir eigentlich nur hängen, was ich selbst rausgehört habe und erst dann aufschreibe (wenn überhaupt.....), wenn ich das Rausgehörte 1:1 mit der Aufnahme spielen kann.
    Zugegeben, das ist das wahrscheinlich keine Methode, um als Anfänger viele Stücke zu memorieren. Trotzdem wäre ich froh, ich wäre früher darauf gekommen, weil man bei dieser Prozedur unheimlich viel lernt
    (Sound, Artikulation, Technik, Intonation etc etc.......).
     
  4. ppue

    ppue Mod Experte

    Doch, das ist eine effektive Methode, denn du beschäftigst dich mit jedem einzelnen Ton. Und du verknüpfst ihn in deinem Hirn mit dem Gehörten, der Suche nach ihm, mit dem Stift, dem Notenpapier und dem Notensymbol und womöglich dem Geruch vom Bärlauch vor der Tür. Fürs Auswendigspielen die beste Übung.

    Es geht nicht darum, möglichst viele Stücke zu memorieren, sondern die Technik zu erlernen, auswendig zu spielen. Je länger du lernst, auswendig zu spielen, desto einfacher wird es dir fallen und desto mehr Stücke wirst du lernen. Der Platz im Hirn dafür scheint mir inzwischen unendlich, also keine Sorge, dass die paar Tönchen, Fingerpositionen und Notensymbole da nicht hineinpassen.
     
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  5. visir

    visir Gehört zum Inventar

    Ich bin ja kein großer Freund von "auswendig", weil ich mir mit auswendiglernen hart tue und es nur dort tue, wo ich muss (aktuell fast nirgends). Aber jetzt hab ich doch einen Beitrag:

    Hab neulich ein Stück, das ich schon "ewig" spiele, mal einfach so = auswendig zur Begleitmusik probiert, und siehe da, es ging (natürlich, so lange, wie ich es spiele). Und sogar bei der Musik von der Datei hatte ich das Gefühl, mehr "mit der Band" zu spielen, weil ich eben nicht an den Noten klebte, sondern auf die Band hören konnte. Ist natürlich nicht dasselbe wie im räumlich gegenwärtigen Ensemble, wo man alleine durch die körperliche Präsenz mehr "miteinander" spielt, selbst mit Noten.

    Und mein zweiter "Beitrag" (der sicher schon x-mal hier im Thema steht): spielen, spielen, spielen - irgendwann kann man es auswendig. Die Stellen, wo man "immer noch" hängt, schaut man sich dann umso bewusster an und merkt sie sich dann auch.
    Aber "auswendig" ist nicht der "heilige Gral" - nach Noten/ vom Blatt spielen ist ja auch wertvoll...
     
  6. Buschreiter

    Buschreiter Schaut nur mal vorbei

    Ich gebe mal ein Beispiel aus meinem eigentlichen Bereich: Die Geige. In Irland lernen schon die Kleinen, auswendig zu spielen. Es werden Teile vom Lehrer, oder wem auch immer, langsam vorgespielt und dann nachgespielt. Bis die Notenfolge sitzt. Dann wird die Geschwindigkeit erhöht und es werden Verzierungen eingebaut. Und das immer wieder! Ich habe vor ein paar Jahren mit meiner damaligen Lehrerin genauso angefangen zu üben. Am Ende der Stunde hat sie mir dann Jig oder Reel usw. einmal in langsam aufgenommen und einmal in Originalgeschwindigkeit. Jeden Tag geübt und eine Woche später gab es den nächsten Song. Mittlerweile habe ich in meiner Band um die 60 Songs „auf der Kette“, die ich nun bei Auftritten auswendig spielen kann. Und ich muss sagen…es hat sich gelohnt, war aber ziemlich zeitaufwendig und manchmal auch nervig. Ich fühle mich freier, spiele besser und viel mehr mit dem Rest der Band zusammen. Die Kommunikation untereinander und vor allem mit dem Publikum funktioniert auch deutlich besser. Es lohnt sich!
     
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  7. Saxoryx

    Saxoryx Strebt nach Höherem

    Es ist wirklich interessant. Am 11. November 2025 habe ich diesen Thread gestartet und einige sehr gute Ratschläge bekommen, die ich auch umgesetzt habe. Primär war ich damals damit beschäftigt, die Songs für unser Weihnachtsvideo so gut wie möglich und so schnell wie möglich zu lernen, damit ich sie gut und eben auch der Schnelligkeit des Songs angemessen spielen konnte. Das habe ich tatsächlich auch geschafft, aber danach ging es mir gesundheitlich leider schlechter (Daumen und Zeigefinger meiner linken Hand fingen an, taub zu werden, und leider habe ich da bis heute kein Wundermittel gefunden, das wieder rückgängig zu machen, trotz vieler Behandlungen), und ich habe dann nicht mehr so spielen können wie vor Weihnachten.

    Mittlerweile denke ich, dass das mit den Fingern entweder sehr lange dauern wird oder eventuell gar nicht mehr weggeht, und spiele deshalb wieder mehr. Ich fühle zwar den Daumen und den Zeigefinger nicht richtig, eigentlich gar nicht, wenn ich sie ans Saxophon lege, aber spielen kann ich trotzdem. Ich musste mich nur daran gewöhnen, dass ich von den Fingern kein richtiges Feedback mehr bekomme. Da ich gleichzeitig in der Hand aber auch weniger Kraft habe, drücke ich nicht mehr so, was positiv ist, weil ich das vorher immer gemacht habe.

    Durch das weniger Spielen hat sich aber der "Gebrian-Effekt" eingestellt, über den ich in dem anderen Thread zu Molly Gebrians Buch schon berichtet hatte. Bzw. damals hatte ich das ausprobiert, eben auch, um die Songs schneller und besser lernen zu können. Und obwohl ich so viel seltener spielen konnte am Anfang, als die Finger taub wurden, merke ich jetzt, wie sich vieles, was ich damals davor geübt hatte, in der Zwischenzeit sehr gut eingeprägt hat. Sprich, ich kann jetzt auswendig spielen, wenn ich das will und wenn das Stück nicht zu lang ist.

    Erstaunlich. Ich kann nur sagen, Molly Gebrian hat recht. Die Pausen beim Spielen sind das wichtigste Übetool. Üben ist wichtig, sonst passiert gar nichts, aber die Pausen sind auch wichtig, damit sich das Geübte richtig einprägen kann. Sogar lange Pausen (bei mir wochenlang) haben einen großen Effekt gehabt, nachdem ich vorher so viel geübt hatte, immer in kurzen Abschnitten von 15-30 Minuten und dann lange Pausen bis zum nächsten Üben.
     
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  8. Al Bundy

    Al Bundy Kann einfach nicht wegbleiben


    Ich entschuldige mich schon im Vorfeld für meinen vllt nicht fachmännischen Beitrag. Sei's drum...ich habe zu Beginn von "SARS-CoV-2" im Alter von 65, mit Klarinette begonnen. Die ersten drei Monate auf einer uralten Ebonit mit deutschem System, welche ich in einer Telegram Gruppe von einer lieben Frau geschenkt bekam. Es folgte, wie könnte es anders sein eine ungewollte Vermehrung. Am Ende waren es 14 Schwarzwurzeln, von denen ich heute noch zwei Schätze habe. Zwei Richard Keilwerth, eine Nr. 7 Konzert, und eine gedeckte Jazz....nach drei Jahren Unterricht, kam ich zu meinem Kindheitstraum, dem Sax....auch hier vermehrten sich die Teile mysteriös....nun zum Thema zurück. Mir geht es ebenso, nur habe ich bereits bei der Klarizeit festgestellt, dass ich tatsächlich nur Stücke auswendig spielen kann, die ich sehr mag. Ich kann ums verrecken nichts lernen, was mir nicht gefällt. Ich habe zwei Hände voller Stücke, welche ich vom Sopran bis Tenor übe. Klappt auch. Nur auswendig ist es sehr begrenzt. Petite Fleur.. schon auf der Klarinette ein Traum... Beim Sax noch schöner. Aber ich bin wahrscheinlich ewig Anfänger. Ist mir auch egal, ich spiele ausschließlich für mich, und es tut mir einfach nur gut
     
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