Schnelles spielen

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von kindofblue, 30.Dezember.2018.

  1. kindofblue

    kindofblue Ist fast schon zuhause hier

    ...ein grosses Problem bei mir ist das schnelle Spielen.
    Bei der Bigband haben wir immer wieder Stücke, welche mich überfordern. Natürlich fake ich mich durch, geht gut. Einfach der Linie folgen, wichtige Töne sauber treffen am Ende einer Linie uns so weiter. Machen ja viele so und man hört es kaum raus.
    Jetzt wo ich arbeitsbedingt recht viel Zeit habe, nehme ich das Thema aber ernster. Will ja besser werden :)

    Hier nun meine Frage: habe festgestellt, dass die Finger, vor allem um das C'' herum, nicht auf der Perlmutt liegen bleiben. Also sich leicht von der "Tastatur" entfernen.
    Wenn ich Saxophonisten beobachte, sieht man beides. Solche, die immer Kontakt Finger - Perlmutt haben und andere, die fast auf die Keys raufhämmern. Hat das Einfluss auf die zu spielbare Geschwindigkeit?
    Ich will nicht, dass ich fast sektiererisch Kontakt mit der Perlmutt halte, will aber auch gegen angewohnte Fehler kämpfen - falls es solche sind.

    Sicherlich hatten wir solche Themen schon, aber auf die Schnelle nichts gefunden. (good excuse)

    Als ich noch Klavier gespielt habe, gab es den Czerny, ein Sammelwerk von Übungen für die "Geläufigkeit der Finger." Wenn ich die Übungen wieder anspiele, geht es zwar nicht mehr so schnell aber immer noch recht gut (habe lange klassisch Klavier gespielt).

    Auf dem Sax hingegen kann ich teilweise Wochenlange (nicht übertrieben) an gewissen Passagen üben, komme aber nicht voran. Deshalb, kann es an den zu grossen Fingerbewegungen liegen?

    kindofmovement
     
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  2. Claus

    Claus Moderator

    Die Antworten interessieren mich auch brennend. Trotz Beherzigung der allgemeinen Weisheit, erst langsam zu üben und dann die Geschwindigkeit zu steigern, erreiche ich (zu) schnell das persönliche Limit, ab dem ein fehlerfreies Spiel nicht mehr gelingt.
     
  3. Woliko

    Woliko Ist fast schon zuhause hier

    Meine Lehrerin hat mir dazu die Hinweise gegeben:
    - vor dem Spiegel üben und Fingerhaltung kontrollieren,
    - die einzelnen Phrasen für sich auf Geschwindigkeit bringen und erst, wenn ich sie schnell beherrsche, im Zusammenhang spielen,
    - ggf. Alternativgriffe,sofern vorhanden, verwenden, z.B. beim Wechsel H-C-H.
     
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  4. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Ich denke allein schon von der physikalischen Logik.

    Finger dichter am Knopf gleich kleine Wege gleich schneller spielen......Finger weit weg von den Knöpfen gleich lange Wege gleich langsameres spielen. (Meine Lehrer haben mich auch immer dahin gehend korrigiert).

    Klar gibt es Profis dennoch schnell spielen können, gibt ja auch welche, die haben das Mundstück schräg in der Schnute und klingen dennoch großartig.

    CzG

    Dreas
     
  5. TootSweet

    TootSweet Ist fast schon zuhause hier

    "Speed comes from precision" war das Mantra meines leider vestorbenen Lehrers George Robert. Also nicht schneller üben, als es sauber geht.
     
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  6. jazzwoman

    jazzwoman Strebt nach Höherem

    Setze Dich abends beim Fernsehen mit Deinem Instrument vor die Glotze und greife die chromatische Tonleiter, während Du hin und wieder auf Deine Finger schaust. Setze sie nicht ab. Mach das zwei Wochen lang und immer wenn Du aktiv spielst, versuchst Du Dich an das Gefühl zu erinnern. In 3 Wochen bleibste an den Tasten.
     
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  7. jazzwoman

    jazzwoman Strebt nach Höherem

    Im Übrigen muss man es auch nicht übertreiben mit dem "an den Tasten bleiben".
    Auch bei schnelleren Tempi darf die künsterliche Freiheit überwiegen, wie dieser Spieler meisterhaft beweist:
     
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  8. quax

    quax Strebt nach Höherem

    Wann hakt es denn besonders? Wenn Passagen eher vom Blatt gespielt werden oder auch wenn es eigentlich schon in den Fingern sitzt.
    Persönlich habe ich größere Geschwindigkeitsprobleme Beispiel von Blatt. Habe ich mir ein Stück nach Gehör zurechtgestoppelt, tritt das Problem Geschwindigkeit in den Hintergrund. Ansonsten ist auch hier Anatomie Schicksal :).
    LG quax
     
  9. kindofblue

    kindofblue Ist fast schon zuhause hier

    "Billie's Bounce" arranged by Mike Tomaro ist gerade so ein Stück, welches wir in der BigBand spielen :)

    kindoftoofast
     
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  10. Werner

    Werner Strebt nach Höherem

    Schnelligkeit hat oft mit mentalen Dingen zu tun. Ich hatte vor Jahren mal diesbezüglich eine Erfahrung, ich konnte bestimmte Bebopthemen nicht richtig durchspielen, irgendwann brach immer die Koordination zusammen. Konnte üben, wie ich wollte, ging nicht. Dann habe ich zufällig mal einfache Patterns durch die Tonarten gespielt, auf einmal ging es deutlich leichter, und das war reproduzierbar. Und die Patterns habe ich noch nicht mal auf Tempo geübt.
    Es scheint mir, das die Töne oft nur in bestimmten Blocks (von Tonverbindungen, Tempi etc) zur Verfügung stehen, wie sie eben in den bislang gespielten Stücken vorkommen. Es braucht aber eine Verbindungsmöglichkeit mit möglichst allen anderen Tönen, damit sie sofort flexibel genutzt werden können. Und diese Verbindungsmöglichkeiten können systematisch durch Transponieren ausgeputzt werden. Jazzer machen das idR ja sowieso.
    Das können einfachste Patterns sein, zB 1,2,b3, dann Halbton chromatisch hoch usw. Muß auch nicht schnell sein, aber flüssig. Allmählich dann alle Intervalle, auch grosse verwenden, so das möglichst alle Verbindungen aller Töne mit allen anderen gespielt werden.
    Alles andere, was so gesagt wird stimmt natürlich auch, also langsam anfangen, kl. Wege der Finger beachten. Reicht aber nicht immer.



    https://swing-jazz-berlin.de/
     
  11. altblase

    altblase Ist fast schon zuhause hier

    Genauso sehe ich das auch! Ich habe jahrelang in "Zeitlupe" geübt, was sich ausgezahlt hat. Letztendlich geht es um die Synchronisation der Finger und beiden Hände. Die neuronalen Verbindungen müssen erstmal im Gehirn einprogrammiert werden, damit die Finger sich unbewusst (schnell genug) bewegen können. Das dauert. Zu schnelles Üben wirkt hier kontraproduktiv.
     
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  12. kindofblue

    kindofblue Ist fast schon zuhause hier

    Danke für alle Antworten,
    habe auch schon die Methode von @Ton Scott angewandt, die Super - Slow - Motion. Wie es gerade @altblase auch schreibt.
    ...leider bei mir mit nur mässigem Erfolg.
    Deshalb schlicht die Frage nach dem Perlmutter - direkt (!) Kontakt.
    Leider hat vielleicht @quax recht, Anatomie Problem.

    kindofdontgiveup
     
  13. altblase

    altblase Ist fast schon zuhause hier

    Dann würde ich zum Saxdoc gehen und mir das Instrument für meine anatomische Gegebenheiten anpassen lassen, falls es ein einigermaßen hochwertiges Saxophon ist.
     
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  14. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Theoretisch funzt es besser, fraglos wird's genauer.
    Trotzdem kann man mit Abstand zu den keys auch schnell spielen.
    Im von mir schon öfters erwähnten Buch "Aufmerksamkeit und motorisches Lernen" wird im Gegensatz zu dem (nicht funktionierenden) "lass die Finger auf den Klappen" "fühle den Widerstand der Federn" erwähnt.
    Das trifft es für mich ganz gut.
    John Harle meint, dass die die Kraft senkrecht zum Deckel wirken soll.


    "The playing fingers: all fingers apart from your two thumbs should be angled down onto the (main) keys from above, bent down slightly so that the merest downwards pressure depresses the key, as near to the centre as possible. Your fingers should not leave these keys when not in use, and should always be prepared to play. Although the key is metal, the pad is not. Pressure downwards from any direction other than centrally will cause the leather pad to contact the metal tone-hole off-centre, creating a blurring effect as the pad takes longer to bed down. Playing with your fingers Hat (knuckles in a straight line) causes blurring, inflexibility and a lack of immediacy in the sound."

    Ich beobachte oft, dass manchmal der Fehler nicht in den Fingern, sondern generell in Haltung, Vorstellung von Stütze liegt. Muss irgendwie so sein, weil es genug Kollegen gibt, die sich nicht an die von Theoretikern ausgegebenen Regeln halten und sauschnell spielen können :)

    Ich hab oft mit meinem Coach darüber diskutiert. Ich glaub, dass es auch hier um's schnell denken geht. Es ist ja beispielsweise schon ein Unterschied, mit welchem Metrum man sich Achtel- oder Sechzehntelketten denkt.

    Cheers, Ton
     
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  15. Nilu

    Nilu Ist fast schon zuhause hier

    Im Wechsel Passagen oder Pattern im Loop mal im vollen Tempo dann im halben Tempo ohne Unterbrechung spielen . Natürlich langsam beginnen.
     
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  16. quax

    quax Strebt nach Höherem

    Das stellen wir aber ganz nach hinten. Und dazu gehört vielleicht auch die unterschiedliche Zusammensetzung der Muskeln nach Fasertypen. Verkürzt gesagt, gibt es "schnelle" und "langsame" Muskelfasern. Ein Muskel kann deshalb auf unterschiedliche Anforderungen trainiert werden. In Grenzen natürlich. In der Muckibude wird eher nicht auf Schnelligkeit trainiert.
    Nochmal die Frage, ob das Problem eher beim Spiel vom Blatt auftritt? Da wäre dann die Verarbeitung in der Signalkette zu betrachten. (Ich bin zB eher kein begnadeter Prima-vista-Spieler.)
    LG quax
     
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  17. Wanze

    Wanze Ist fast schon zuhause hier

    Dass es nicht ausschliesslich um den Weg gehen kann, den die Finger machen, kann man an diversen Schnellspieler-Videos im Netz sehen.

    Ansonsten hat @Ton Scott mal wieder recht...
    Ich glaube, dass es sogar schon mit dem Hören anfängt. Hören von schnellen Stücken und Partitur mitlesen, wäre da eine Übung die vielleicht hilft.
    Vielleicht gibt es auch verschiedene Spielertypen: @Rick ist sicher ein Schnellspieler - ich befürchte ich bin eher ein Langsamspieler. Auch bei Stücken, die ich eigentlich kann, muss ich mich regelrecht zwingen, doch auch mal schneller zu spielen.

    Gruß,

    Wanze Slow
     
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  18. jazzwoman

    jazzwoman Strebt nach Höherem

    Von welcher Geschwindigkeit sprechen wir hier denn überhaupt?
     
  19. kindofblue

    kindofblue Ist fast schon zuhause hier

    Konkret spielen wir zum Beispiel folgendes Stück:


    Tempo 240.
    Zeitangabe 2:23

    Es betrifft nicht nur dieses Stück sondern auch die generelle Frage, ob das Problem der "langsamen Fingern" nicht der mangelnde Kontakt an die Klappen ist.
    Des weiteren Frage ich mich, ob es überhaupt klug ist, bei dem Unisono Part die Zunge zu benutzen.

    kindoftonque
     
  20. kindofblue

    kindofblue Ist fast schon zuhause hier

    Nein, definitiv nicht, so schnell kann ich nicht einmal Deutsch lesen :)

    kindofnosightreeding
     
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