Sommerlochthread: Würdet Ihr heutzutage wirklich nochmal mit dem Saxophon beginnen?

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von altblase, 26.Juni.2026.

  1. altblase

    altblase Strebt nach Höherem

    Diesen Gedanken kann ich absolut nachvollziehen!

    Ich nehme es so wahr, dass wir, die Mehrheit der Amateurmusiker, in der "normalen" (dazu noch handysüchtigen) Bevölkerung immer weniger gesehen und gewertschätzt werden. Man ist oft schon froh, wenn einem freundliches Desinteresse begegnet.

    Wie oft habe ich es empfunden, nur ein störender Klangkörper zwischen Bratwurststand und Bierbude zu sein? Wie oft hatte ich das Gefühl, dass der großen Mehrheit des Publikums eine Spotify-Playlist lieber als eine Amateur-Bigband wäre, auch wenn unser Niveau ordentlich war? Wie oft habe ich Gleichgültigkeit und Ignoranz seitens etlicher Veranstalter, die in den letzten Jahren zugenommen hat, ertragen müssen?

    Ich denke, die Mehrheit hier im Forum, spielt nicht in Spitzenbands mit Premium-Jazzgrößen, in gefragten Galabands oder in exquisiten klassischen Saxophonquartetten, die von einem musikalisch gebildeten Publikum gewertschätzt werden.

    Und genau diese Mehrheit, darf durchaus hinterfragen, ob sein musikalisches Tun in der heutigen Zeit noch Sinn hat.:cool:
     
  2. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Machen wir das nicht eigentlich, weil uns Saxophon spielen Spaß macht. Unabhängig davon, ob uns jemand hört.
    Als ich mit Sax angefangen habe , habe ich mir keine Gedanken drüber gemacht, ob ich irgendwann mal vor irgendwem spiele. Ich wollte einfach Saxophon lernen
     
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  3. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Wenn ich keine Band hätte und/oder keine Auftritte, hätte ich schon lange keine Lust mehr, im stillen Kämmerlein vor mich hin zu üben.

    Gruß,
    Otfried
     
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  4. Woliko

    Woliko Strebt nach Höherem

    Ich wollte früher immer schon ein Instrument lernen, aus Freude an der Musik, hatte aber nicht die Gelegenheit. Dann hat in meinem Rentenalter meine Hausärztin festgestellt, dass meine Lungenkapazität merklich nachgelassen hätte und Anzeichen von Asthma bestünden. Weil ich Trainieren der Lunge mit Blaserei in ein Plastikkästchen mit „schwebender“ Kugel öde fand, beschloss ich, es mit Saxophon zu versuchen ( in dem Glauben, es reiche, einfach in das Instrument zu blasen und die Tasten zu drücken ); dazu motivierten verschiedenste Fachartikel über Altersdemenz, dass Erlernen eines Musikinstrumentes die Entwicklung von Altersdemenz verzögern würde. Also habe ich in eine entsprechende saxophonistische Ausstattung und Ausbildung investiert. Mir hat das Saxophon mit seinen Herausforderungen von Anfang an bis heute viel Freude bereitet, zumal die Nachbarn schnell meinten, ich würde mich immer besser anhören. Ich bin nach einigen Jahren immer noch dabei und möchte es nicht mehr missen, auch weil das Musizieren in der Gemeinschaft neue Freundschaften ergeben hat.

    Ich würde es wieder so machen, ggf. auch mit einem anderen Instrument.
     
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  5. Bb7

    Bb7 Ist fast schon zuhause hier

    Bei mir ist es eher fast umgekehrt. Natürlich haben mir Auftritte und die Bands an sich meist sehr gut gefallen, aber ich fühle mich alleine mit meinen Instrumenten oft etwas unbeschwerter, oder so ähnlich.
    Die wöchentlichen Proben mit nur sehr langsam erweitertem Programm ( meist waren wir musikalisch ziemliche Pfeifen und mussten tatsächlich wöchtl. gemeinsam üben, um so einigermassen den Standard zu erhalten)
    haben mir fast immer sehr schnell keinen Spass mehr gemacht. Da fühle ich mich zu hause freier und kreativer.
    Ich spiele gerne mal draussen und manchmal auch gerne mit play along, bands interessieren mich seit einiger Zeit überhaupt nicht mehr. Ich könnte mir gut vorstellen, dass ich noch mal zu zweit oder dritt etwas Bescheidenes mache, ob nun klassische Duette mit Querflöte oder Rentner Delta Blues mit Gitarre :) aber so wirklich wichtig ist es mir nicht mehr. Das lasse ich ehr zufällig mit etwas Aufmerksamkeit auf mich zukommen.
    Kommt vielleicht auch dazu, dass ich vor allem in jungen Jahren jahrelang in einer band unterwegs war und die letzten Jahre auch hier und da mal reinschnupperte. Ich habe immer schnell die Lust verloren.
     
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  6. altblase

    altblase Strebt nach Höherem

    Ich denke, dass das ein guter Ansatz ist! Nur auf sich selbst und das Instrument schauen, nicht darauf, ob man irgendwo mit irgendwem spielen wird und von einem Publikum wertgeschätzt wird oder nicht.

    Hatte früher als Schüler den großen Drang möglichst überall zu spielen und von der gesamten Welt beachtet und gehört zu werden. Heute ist mir z.B. eine gute Probe, in der ich auch was lerne, viel wichtiger und wertvoller als das Spielen vor einem bestenfalls gleichgültigen Publikum.

    Über eine gute Probe mit unserer Bigband freue ich mich. Der Ankündigung einer Mucke begegne ich dagegen immer mehr mit einem Stirnrunzeln und gewachsener Skepsis. Was ist das für ein Umfeld? Welche Funktion? Wie sieht das Park- und Toilettenkonzept aus? Ist für eine geeignete Bühne gesorgt? Kümmert sich der Veranstalter überhaupt um uns? Ist überhaupt (zumindest körperlich anwesendes) genügend Publikum da oder spielen wir wieder in einer Totzeit vor 2-3 Männekens? Die Höhe der Gage will ich jetzt erst gar nicht thematisieren!

    Eins wird mir immer bewusster: Ich setze bei den Auftritten das kostbarste ein, was ich habe. Nein, ich meine jetzt nicht meine teuren Instrumente und deren Instandhaltung, sondern meine Zeit.:cool:
     
  7. Roman_Albert

    Roman_Albert Ist fast schon zuhause hier

    Ich empfehle eine selektive Nutzung der Ignorierfunktion: So kann man sich ganz einfach sein persönliches Wohlfühl-Forum konfigurieren.
    Alle als "Nerv- oder Negativschreiber" empfundenen User ignorieren, dann lesen sich 90% aller Beiträge angenehmer.
    Niemand kriegt was davon mit, es schadet nicht, und hilft bei der eigenen "mentalen Hygiene" (niedrigere Adrenalinspiegel).
    Man sieht noch nichtmal mehr Zitate der "Auserwählten".
    "What's not to love?":oops: wie man auf Neudeutsch sagen würde.

    Zum Thema:

    - Rückblickendes Urteil: JEDERZEIT wieder Sax lernen

    Ich nenne mein Sax "den großen Integrator": Wo immer ich hinziehe, kann ich mich, wenn ich will, schnell integrieren und interessante Menschen kennenlernen.
    - Angefangen als Landei vom Dorf mit 13 oder 14 auf Klari, dann Sax ab 17 ohne Lehrer: SOFORT in die Schulband des Gymnasiums in der nächstgrösseren Stadt eingestiegen und 5 Jahre lang Nachspielmucke auf Schul- und Stadtfesten gemacht.
    - In der wiederum grösseren Unistadt nach der Zwischenprüfung bei einer sehr originellen, aufregenden Band mit eigenen Kompositionen eingestiegen,
    6 Jahre lang musikalische Stadtgeschichte mitgeschrieben (dokumentiert in "Soundtrack einer Stadt")
    - Bei beruflichen Stationen in London und Sydney immer relativ mühelos Anschluss gefunden, interessante Leute kennengelernt, von denen zwei zu Freunden fürs Leben wurden :oops:
    Daneben ein paar ££ und $$ bei Gigs verdient, u.a. bei einer Hochzeit im Restaurant direkt vorne auf der Plattform vor dem Sydney Opera House.
    - Seit der Rückkehr nach Deutschland 2008 immer wieder musikalisch und persönlich nach Umzügen Anschluss gefunden durch Jazzworkshops, Uni-Bigbands, und lokale Blaskapellen.

    Fazit: Wenn man freundlich ist, mit den Leuten redet, sich interessiert und die Intonation einigermaßen passt, findet man immer und überall Mitspieler, gelegentlich gibts sogar Benzingeld dafür.
    Sobald es ans Geld verdienen geht, wird die Luft dünner: Gerade in Großstädten ist die Konkurrenz größer, aber als Amateur kann man bei Sessions immer und überall Spaß haben & Anschluss finden.

    Insofern hat sich das Thema "allein spielen" für mich erledigt: Ohne Band oder andere Auftrittsmöglichkeit ruht das Instrument unterm Bett, einmal fast 10 Jahre lang.
    Erst seit der Vernetzung mit schnellen Transferraten (bei mir seit ca. 2007) mache ich beim online-Austausch von Tondateien mit, erst SOTW, jetzt hier.
     
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  8. Nilu

    Nilu Ist fast schon zuhause hier

    Rückblikend würde ich mit dem Metronom beginnen.
    Später dann zu einem Instrument greifen.
     
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  9. ppue

    ppue Mod Experte

    Mal ein etwas längeres Pamphlet, speziell fürs Sommerloch. (-:

    Spannend zu lesen, eure Gefühle und Einstellungen zum Musizieren, weil hier ein gesellschaftlicher Aspekt hinzukommt. Inwieweit spiele ich für mich alleine oder in einer Gemeinschaft.

    Ich weiß nicht, ob es das Handy ist, spielt sicherlich eine Rolle, in erster Linie aber ist für mich ein ganz allgemeiner Rückgang von Kultur, die aus dem Volk heraus kommt, zu beobachten.

    Ganz entscheidend dabei die familiären Bedingungen.

    Ich bin der jüngste von fünf Brüdern und wurde in eine musikalische Familie hineingeboren. Gutbürgerlich nannte man solch eine Familie und da war es normal und üblich, dass zur Erziehung auch das Erlernen eines Instrumentes gehörte. Mutter spielte Klavier, der Vatter war Klassik-Nerd und bald mit der besten Stereo-Anlage ausgestattet, die auf dem HiFi-Markt zu erstehen war.

    Die Brüder lernten bzw. spielten Banjo, Klarinette, Gitarre, Geige, Cello, Blockflöten, Klavier, Kontrabass und sangen. Mein nächster Bruder z.B. war ein gefragter "Protestsänger" in der Stadt und stand sogar mit Franz-Joseph Degenhardt auf der Bühne.

    Ich selber konnte schon lange vor der ersten Flötenstunde die Blötflocke bedienen und habe, ganz ehrlich, später nicht einmal auf dem Ding geübt. Das war nicht notwendig, denn ich hatte die Flöten in verschiedensten Größe sogar als Jugendlicher noch mit am Lagerfeuer und spielte den Ian Anderson. Ja, Rockblockflöte! Am Strand von Carcans Plage ist dann auch eine Altblockflöte einem solchen Feuer zum Opfer gefallen.

    Der älteste Bruder lebte schon nicht mehr im Haus und schickte kleine Tonbänder mit Sprachnachrichten sowie musikalischen Einlagen nach Hause.



    Leider ist er 1965, da war ich Neun, mit 24 Jahren gestorben. Von ihm habe ich die Klarinette geerbt und seit dieser Zeit auch bearbeitet. Eigentlich nämlich sollte ich ein Trom-Peter werden, aber das Schicksal sah es anders vor.

    Nach über sechzig Jahren liegt die nette Klari immer noch griffbereit auf dem Schreibtisch.

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    Was vielleicht deutlich wird:

    Ich hatte in diesem großen und musikalischen Haushalt keine Chance, nicht ein Instrument spielen und lieben zu lernen!

    Es liegt gar nicht in meiner Persönlichkeit, zu sagen, ob ich noch einmal das Saxophonspiel anfangen würde oder nicht. Es liegt eindeutig am Umfeld.

    In der heute typischen Kleinfamilie gibt es kein Kleinorchester mehr, das zwei Stunden lang vor der Bescherung Weihnachtslieder zum Besten gibt.

    Heute müssen beide Eltern arbeiten, um Heim und Auto zu finanzieren, sind also nur morgens und abends anwesend und haben noch nicht einmal die Zeit, das Nötigste für das Wohlergehen ihrer Familie zu tun. Dieses moderne Gesellschaftskonstrukt ist für mich ein Unding.
    Betrifft ja nicht nur das Musizieren, sondern, ich lese das in vielen Gruppen, auch die Erstellung wertvoller Mahlzeiten. Kochen, Musizieren, ja, auch allgemein das Spielen, sind für mich elementare Bedürfnisse, die in unserem Wahn des Wirtschaftswachstums immer weniger Platz einnehmen.

    Die Einzelkinder oder, wenns hoch kommt, ein paar Geschwister, lernen Musik allenfalls noch in Kindergarten oder Grundschule. Danach fällt der Unterricht aus. Sein über einem halben Jahrhundert fällt der Musikunterricht in unseren Schulen aus!
    Und wenn nicht, dann haben die Kids womöglich einen blöden Musiklehrer, der ihnen sagt, dass sie im Chor nur Brummen oder keinen geraden Ton treffen können. Ich kenne so viele Leute, die aufgrund eines einzigen solchen Satzes ihr Leben lang meinen, unmusikalisch zu sein.

    Kein Mensch ist unmusikalisch. Ich hatte einen Chor, in dem durfte jeder mitsingen. Ich war erstaunt, dass die unsichersten Leute nach zwei Jahren gar nicht mehr in der Lage waren, falsche Töne zu singen. Der Chor ist ein Schwarmwesen, in dem es einfach zu schwer ist, gegen die anderen Chormitglieder anzusingen. Man schwingt sich einfach ein.

    In Nordrhein-Westphalen haben wir eine lange Tradition des Chorgesangs und ja, es gibt sie noch, aber die heutigen Reste davon werden auch noch vertrocknen.

    Unsere Kleinfamilien, unsere Arbeitsbedingungen, eine Gesellschaft, die jeden dritten € wieder in die Rüstung stecken möchte und wenn's am Geld mangelt, zuerst die kulturellen Ausgaben streicht, sind keine guten Vorraussetzungen für eine Wiederbelebung kulturellen Zusammenhalts der Bürger.

    Die Kultur geht vor die Hunde, das Volk zankt sich und bald sind wir wieder so weit, nach einem starken Führer zu schreien.

    Ich selber bin Müde geworden und es schleicht sich alsbald das Gefühl ein, "nach mir die Sintflut".
     
    Zuletzt bearbeitet: 21.Juli.2026 um 11:48 Uhr
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  10. visir

    visir Gehört zum Inventar

    War bei mir die Motivation wie bei @JTM , einfach zu lernen, weil es mich interessiert - was immer daraus wird, verstehe ich auch obigen Beitrag, insbesondere aktuell. Wenn ich daheim so "für mich" übe, spiele ich halt dies und das und frage mich tatsächlich auch ein bisschen, wofür. Die Antwort "für mich selbst" (z.B. auf dem Tenor, das ich nicht im Ensemble spiele) befriedigt, aber nur teilweise. Irgendwo will ich das Können dann doch auch "anwenden", mal abgesehen, wofür es denn reicht. Mag sein, dass wenn ich in Zukunft wieder mehr Zeit habe, ich auch neue Perspektiven entwickle - mal sehen.

    nicht Saxophone? ;)

    Geht auch. Ob ein konkretes Ziel mit Energie anstreben, oder schauen, was kommt - wenn man nicht gerade davon leben will, kann man es sich ja aussuchen.

    Diese Phase kenne ich auch - "jetzt kann ich doch schon genug, jetzt will ich auch vor Leuten spielen", was bei mir vor allem in der Kirche war. Hab schon lange nicht mehr in der Kirche gespielt, in letzter Zeit mangels Energie. Kommt aber sicher wieder, und jetzt natürlich auch aus anderer "Position".

    Beim Publikum empfehle ich Realismus. Macht man ein Konzert von sich aus, wird man als Show engagiert, macht man Hintergrundgedudel, und jeweils vor welcher Art von Publikum und dessen Bezug zur vorgetragenen Musik - je nach Situation sollte man seine Erwartungen realistisch setzen. Es muss ja nicht immer darum gehen, das Konzert des Jahres zu spielen.
     
  11. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    @ppue
    Danke für dein längeres Pamphlet. Deinen Kulturpessimismus teile ich allerdings nicht, vielleicht lebe ich auch nur in unserer Blase ;) Hier hat es an den Schulen viele Bands, es gibt ein städtisches Jugendzentrum und immer noch (seit Ende 1970er) ein selbstverwaltetes Jugendzentrum.

    Am Strand von Carcans Plage saß ich in den 1970ern auch öfter rum, entsinne mich aber nicht, dass wer Blockflöten verfeuert hätte, nur an das Absingen französischer Sauflieder…:D…damals war der Ort noch sehr klein, ein Laden (Monsieur Débré oder ähnlich) ein Lokal, der Place Camping aux Pins.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21.Juli.2026 um 14:15 Uhr
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  12. Silver

    Silver Gehört zum Inventar

    Die pauschale Publikumsschelte mag ich nicht gelten lassen.

    Es sind die Musiker, die aktiv etwas dafür tun können, dass ein Publikum aufmerksam, wohlwollend oder begeistert reagiert.
    Sogar in den vermeintlichen „Hintergrundgedudel“-Szenarien.
    Es ist schlau, wenn man sich mit dem Veranstalter abstimmt und Leuten, die sowas nicht beruflich machen, hilft, die Rahmenbedingungen herzustellen.

    Man sollte halt immer wissen, wofür man angeheuert wurde und dann auch genau das liefern.
    Wer im Bierzelt den gepflegten Duke Ellington auf dem C* säuselt, wird untergehen.

    Mit der misanthropen Einstellung von @altblase (vor der klimatisierten Bühne parken wollen, den persönlichen Lokus Backstage und alle Anwesenden haben gefälligst andächtig zu lauschen und huldvoll zu jubeln) ist es hilfreich, wenn man schon ein Weltstar ist.

    Und klar, ist nicht jedes Publikum gleich. Wir haben kürzlich in einem Altersheim gespielt - die Hälfte der Leute war gar nicht mehr in der Lage zu jubeln. Es hat trotzdem fast allen sehr gefallen. Geld gab’s übrigens keins.
     
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  13. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Letzt Woche war Kulturfestival in der (städtischen) Schule der Kinder. Meine Fresse können die tanzen, musizieren, schauspielern, malen, zeichnen, töpfern und bildhauern. In absehbarer Zukunft werden sie besser sein als ich, obwohl ich mich mit meinem Amateurdasein glücklich, aktiv und wertgeschätzt fühle. Ich glaube es braucht vor allem Menschen und ein bisschen Input. Das ist in den Städten vielleicht etwas leichter, die kritische Masse aufzustellen, um ein Projekt zu stemmen.
    Blase? Ja, aber keine besonders kleine oder elitäre. Da dürfen viele mit rein, die vielleicht die Fördermittel von zu Hause nicht bekommen könnten, und bereichern den Laden. Bei uns machen die engagierten Lehrer den Unterschied, ganz klar.
     
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  14. Woliko

    Woliko Strebt nach Höherem

    Habe gerade die Noten zum Chanson „Der alte Wolf wird langsam grau“, Hildegard Knef, bekommen, bereite die Notenbearbeitung für‘s Bari vor, um es dann beim nächsten gemeinschaftlichen Musizieren vorzuspielen. Für mich als musikalischer Spätzünder ein Beispiel, warum ich gerne musiziere und wieder „Saxophon lernen“ würde.

    Wolf
     
  15. Calymne

    Calymne Ist fast schon zuhause hier

    - ich spiele für mich, weil ich Musik mag, aus dem Grund singe ich auch vor mich hin.
    - ich spiele sehr gerne mit anderen zusammen, weil es bestenfalls gut klingt, weil ich es mehrstimmig mag, es immer allein auch öde ist und auch weil das Drumrum Spaß macht.

    Ob da dann noch jemand zuhört - ja das kann nett sein, wenn man merkt, dass die Leute wirklich hinhören, am Stadtfest z.B. oder so.
    Es ist auch mal nett im Zelt bei Stimmungsmusik, wenn die Menge abfeiert - wobei da gilt: je später der Tag desto mehr Alkohol desto weniger wählerisch desto austauschbarer die Musikanimation. Aber hier in der Gegend ist live immer noch "in". Klar läuft dann die Nacht durch auch 0815 Mucke vom Band, aber vorher immer mindestens 1 - 2 Livemusikgruppen.

    Letztlich braucht es aber auch Auftritte - habe ich bislang in allen Gruppen (auch Chor) bemerkt: die meisten Menschen brauchen einen Anreiz (den Auftritt) zum Üben. Dass man sich regelmäßig über lange Zeit einfach trifft, um zusammen zu spielen (und gar dafür auch noch übt, wenn es komplexer ist), das scheint ohne den Reiz Auftritt nicht zu funktionieren.
    Schade eigentlich.
     
  16. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Ich mach ja in zwei verschiedenen Bans Musik.
    Mit dem Ramschladen spiele ich akustische Musikpoesie. Das sitzen alle Leute,hören zu,haben teilweise die Augen zu und genießen.
    Genau das Gegenteil bei den 55ers, da tobt alles,ich lauf beim Spielen durch die Menge bei Solo,die Leute tanzen alle und drehen teilweise richtig ab.
    Manchmal spiele ich mit unserem Organisten im Gottesdienst in der Kirche Klassische Literatur.
    Da gibt es von den Zuhörern null Reaktion ( in der Kirche wird halt nicht geklatscht und getanzt) nur nach dem Gottesdienst kommen sie dann zu uns und bedanken sich.

    also letztendlich drei vollkommen unterschiedliche Reaktionen. Ich mag sie alle. Aber nur für mich spielen wollte ich inzwischen nicht mehr,vielleicht später mal ,wenn ich alt (noch älter) bin ;)
     
  17. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Vielleicht noch eine kleine Ergänzung/Erläuterung dazu:

    Mir ist Musik wichtig, aber vor allem im sozialen Umfeld, eben einer Band. Und eine Band ohne Auftritte verdaddelt sich recht schnell in Bedeutungs- und Lustlosigkeit, so jedenfalls meine Erfahrung.

    Das Üben zu Hause bringt mir musikalisch nicht mehr viel. Nicht, weil ich alles könnte, sondern weil ich saxophonistisch an einem Punkt angekommen bin, an dem ich zu 95 % damit beschäftigt bin, meinen Stand zu halten. Bei meiner verfügbaren Zeit und in meinem Alter mache ich da keine großen Fortschritte mehr.

    Musikalisch lerne ich natürlich immer noch, und ganz viel dazu, aber dazu braucht es Band, Auftritte und die entsprechenden Erfahrungen.

    Ich bin übrigens zum Saxophon aus purer Bequemlichkeit gekommen. Als ich mit 22 Jahren wieder Musik machen wollte, lag das halt sehr nahe, da ich schon als Kind ganz leidlich Blockflöte spielen gelernt hatte.

    Nicht, dass mir das Saxophon keinen Spaß mehr machen würde, aber ich bin/wäre da auch für andere Instrumente völlig offen. Ich liebe meine Klarinetten und meine Querflöte mindestens genau so. Und immer noch liebäugle ich mit dem Bandoneon, welches seit Jahren ungespielt bei mir rum liegt.

    In meiner Rockband spiele ich neuerdings bei ca 1/3 unserer Stück Bongo, da wir keinen Perkussionisten mehr haben, und eine Saxophonstimme nicht zu jedem Rockstück passt. Das macht mir genau so viel Spaß, und das muss ich tatsächlich auch noch üben, da ich historisch bedingt nur Latinrhythmen bedienen kann.

    Gruß,
    Otfried
     
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