Wie konnte Charlie Parker so lange üben?

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von Paul2002, 14.Juli.2019.

  1. djings

    djings Strebt nach Höherem

    man hat mich belächelt in der familie, als ich mit etwa 30 jahren mein "musikleben" begann, indem mir eine tennisfreundin blockflöte und notenlesen beibrachte. ich spielte in jeder freien minute. das instrument war stets in meiner nähe, auch beim kochen.:)
     
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  2. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Und ich möchte noch hinzufügen, dass mir aus dem Stand etliche Saxophonisten einfallen, die vom Technischen her wesentlich besser als Parker spiel(t)en, halt nicht ansatzweise originell oder stilbildend oder wie immer man es nennen möchte.
    Also wird er schon noch über andere Dinge nachgedacht haben, der gute Bird.
     
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  3. Tröto

    Tröto Ist fast schon zuhause hier

    Ja.
    Wer war aber - nehmen wir mal das Jahr 1950 -, in der Lage, ihm technisch das Wasser zu reichen?
    Mir ist grundsätzlich nicht wichtig, wer (jemals) der Schnellste, technisch Versierteste war bzw. ist. Ein paar Namen würden mich dennoch interessieren.
     
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  4. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Ich glaub, das mach ich lieber nicht. Ich will den Thread nicht mit Diskussion darüber verwässern.
     
  5. djings

    djings Strebt nach Höherem

    Da hab ich immer Zweifel, wenn jemand sowas behauptet. Man muss sich das mal vorstellen: wenn er morgens beginnt, sagen wir um 8, macht er bis abends um 20 h nix anderes! Das geht auch nur ohne Nachbarn :)
     
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  6. gefiko

    gefiko Ist fast schon zuhause hier

    Earl Bostic
    (sorry fürs Verwässern)
     
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  7. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Es kann auch durchaus sein, dass ihm diese Zahlen von Journalisten oder Biographen in den Mund gelegt wurden oder er sie genannt hat, weil es gut klang oder erwartet wurde oder die wohlfeilste Erklärung dafür war, dass er anders war als die vielen anderen jungen Autodidakten, die in die Jobs drängten, um dem Steinbruch oder dem Acker zu entkommen.

    Wegen Nachbarn: Parkers Zeitgenossen hatten ein Wort für den Rückzug zum intensiven Üben: sie nannten das "woodshedding" (Woodshed = Holzschuppen)
     
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  8. djings

    djings Strebt nach Höherem

    Wohl dem, der einen hat! Meine Mutter hätte mir empfohlen, statt zu üben lieber das Holz zu spalten...
     
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  9. Badener

    Badener Ist fast schon zuhause hier

    meine drohte meinem Bruder, als er eine Posaune in die hellhörige Stadtwohnung brachte, es binnen 15 Minuten auf dem Hackklotz zu zerlegen, falls er sie nicht sofort wegbrächte.
    Da traute ich mich nicht mehr, nach Saxophonspielen auch nur zu fragen...
    Jahrzehnte später sollte es dann klappen.
     
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  10. ehopper1

    ehopper1 Strebt nach Höherem

    Danke, wieder etwas dazugelernt!
    Und einen Holzschuppen habe ich auch.

    ;-)
    Mike
     
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  11. ppue

    ppue Experte

    Mag sein, dass die kolportierten Spielzeiten Parkers mit den Jahren etwas angewachsen sind. Man sollte aber auch bedenken, dass die "Spielzeit" nicht ausschließlich die Zeit wieder spiegelt, wo Parker auch wirklich ins Horn getutet hat.

    Ich habe eine Zeitlang auch viele Stunden gespielt, dazu gehört aber auch, dass man zwischendurch Noten rausschreibt, sich ans Klavier setzt, komponiert oder Etüden erfindet. Das nimmt mindestens nochmal die gleiche Zeit in Anspruch, so dass, realistischer Weise, Parker nur gute fünf Stunden wirklich gespielt hat.
     
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  12. Robert Bernhard

    Robert Bernhard Kann einfach nicht wegbleiben

    Charlie Parker hat die wenigste Zeit im Kämmerlein geübt, er hat meistens Musik gemacht, Auftritte in Bigbands, Combos, Tanzmusik, Jamsessions,...Dazwischen hat es sich die Akkorde, Harmoniefogen,...erklären lassen und hat geübt. Hat den "Blues" und "I got. Rhythm" in allen zwölf Tonarten geübt/gespielt. Das kann ich jedem nur empfehlen, aber alles ohne Notenblatt.
    Einen guten Eindruck über Charlie Parker vermittelt das Buch von Ross Russell "Bird lebt". Ross Russell hat Charlie Parker bei seiner Plattenfirma "Dial Records" unter Vertrag genommen und war später sein Manager.
     
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  13. djings

    djings Strebt nach Höherem

    @ppue
    Das Noten raus schreiben und komponieren fällt bei mir nicht ins Gewicht :)
     
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  14. ppue

    ppue Experte

    @djings
    Dafür putzt du sicher in der Zeit dein Saxophon.
     
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  15. djings

    djings Strebt nach Höherem

    Auch nicht :) ich hab genügend Action und muss meine Zeit nicht „totschlagen“ :)
     
  16. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier


    Parker fing mit elf Jahren an zu spielen, spielte aber sehr unregelmäßig und lieh sein Saxophon sogar mal für fast zwei Jahre einem Freund. Seine ersten Erfahrungen mit Bands (die Schulband ausgenommen) machte er mit 14-15 Jahren. Dass er also schon vorher intensiv geübt oder mit Bands/Combos gespielt habe, stimmt nicht.
     
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  17. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Ob Russell durchweg glaubhaft ist, bezweifele ich ein wenig. Dafür ist er zu positiv, zu mittweilsam und wohl auch die meiste Zeit nicht nahe genug dran gewesen. Russel sass an der Westküste. Wie wenig eigentlich Parker selber zu seinem Spiel zu sagen bereit ist, ist gut in Miles Davis Autobiographie nachzulesen. Er beschränkte sich auf: Hör gut zu, dann weisst du was zu tun ist.

    Was Russel zu Parkers Art zu üben herausstellt, ist, dass Parker entgegen der Praxis seiner Vorgänger tatsächlich konsequent in 12 Tonarten übt (die meisten Musiker konnten gut in den 4 oder 5 gängigsten Tonarten spielen). Dass Russel das als Missverständnis seitens Parkers hinstellt, zeigt für mich, dass er wie andere Journalisten und Biographen auf Deubel komm raus lesenswerte und inhaltlich stringente Texte haben wollte. Begründungslücken waren nie sehr beliebt (siehe auch unsere Materialdiskussionen). Wenn die strenge Tatsachenschilderung nicht reicht, kommen halt Mythen und Legenden ins Spiel.
     
  18. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier


    Mein Beileid. Nachbarn sind schon doof, wenn man Musizieren will. Meine Nachbarn rufen auch dauernd beim Vermieter, obwohl ich mich streng an die Übezeiten halte und sogar weniger als die bei meinem Instrument erlaubten Stunden übe. Dieser Stress ist immer sehr belastend.
     
  19. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier

    Zu Parker's späterem Üben, als er schon ein professioneller Musiker war, kann ich noch anmerken, dass er oft zu Benny Goodmans Quartet bzw. Sextet geübt hat, indem er die Aufnahmen laufen ließ und Bennys Solos parallel mitspielte. Auch Klosé hat er oft geübt. Zu beidem gibt es Mitschnitte auf Youtube.
     
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  20. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Er hat später nach dieser intensiven Phase auch nicht mehr oder nicht mehr viel geübt. Er war viel zu beschäftigt mich der Beschaffung seines Stoffes und mit seinem ständig Stoff fordernden Körper und insgesamt der unstedten, nicht sesshaften Lebensweise.
     
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