wie "üben"

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von silke78, 21.Dezember.2013.

  1. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Ja richtig!

    Wir müssen den Begriff "Pfuschen" definieren.

    Wenn gemeint: ungenau, schlechter als man kann spielen dann ist Pfuschen absolut negativ

    Ich zumindest verstand darunter eher: Passagen vereinfachen und dafür im Rhythmus bleiben

    Spiel mir ein Stück vor und ich zeige dir einen, der es noch perfekter spielen kann...

    Disziplin ist eine gute Eigenschaft für die Musik, zuviel Disziplin hemmt die Kreativität.

    Ich habe in jungen Jahren mal mit Band Jazz-Standards vor ca. 800 Leuten gespielt, die kann ich heute noch nicht vernünftig spielen. Heute weiß ich, dass ich diese Stücke nicht öffentlich spiele.

    Damals war es völlig ok und die positive Resonanz hatte gut gut getan und motiviert.

    Als ich damals ins Akkordeonorchester kam, hatte ich nach einer Probe meinen ersten Auftritt. Ich konnte die Stücke nicht (Wie auch???), aber ich musste mit. Ich musste den Luftknopf dauernd drücken und dann spielen, so dass ich fast nicht zu hören war. Es war dennoch eine tolle Erfahrung. Ein weiterer neuer Kollege durfte zum Konzert nicht mit, da er immer rot wurde, wenn er sich verspielte. Nach einiger Zeit konnten wir beide gut im Orchester spielen, nur dass ich schon "Konzerterfahrung" sammeln konnte.


    Gruß
     
  2. Gast

    Gast Guest

    Bereckis schrieb:
    So hab' ich es auch verstanden und halte diesen Weg für erlaubt und sinnvoll!


    Liebe Grüße,
    Ww.


     
  3. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Hallo Wattwürmchen,

    ich habe früher immer in besseren Bands /Ensemble / Orchester gespielt, so dass ich ständig an meiner Leistungsgrenze war.

    Da ist "Passagen vereinfachen und dafür im Rhythmus bleiben" das nackte Überleben.

    Ich habe dort aber auch viel mehr gelernt, als zu Hause alleine beim Üben bzw. im Unterricht.

    Dennoch sind alle drei Komponenten wichtig.

    Gruß
     
  4. edosaxt

    edosaxt Strebt nach Höherem

    Jede und ich meine wirklich jede Interpretation von Noten ist und bleibt genau dieses, nämluch eine Annäherung an das, was ich in den noten sehe und, mit meinem "Können", interpretiere.
    D.h. es gibt keine perfekte Wiedergabe der Musik, es gibt nur Annäherung an vermeintlich gewolltes.
    Das wiederum ist eine Legitimation jeder Vereinfachung.

    Oder????
     
  5. Gast

    Gast Guest

    Moin!

    Um Missverständnisse zu vermeiden:

    Ich möchte den Inhalt meines Beitrages hier auf die Übephase
    begrenzt sehen!
    Also nur ein vorübergehendes Vereinfachen!

    Beim Vorspielen,Zusammenspiel ,.. wo auch immer, muss es dann sitzen!

    Liebe Grüße,
    Ww.

     
  6. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Ich übernehme mal Saxhornets typische Antwort: Kommt drauf an ...

    Es ist ein Unterschied, ob man einen Solo-Vortrag mit strengem klassischen Anspruch hat (evtl. sogar Prüfung oder Wettbewerb), oder einen Unterhaltungsmusik-Auftritt als Solist, oder ob man im Orchester spielt.

    Man sollte schnell herausfinden, was wichtig ist und worauf man seine Energie einsetzen soll.

    Ich spiele z.B. in einem Blasorchester Klarinette. Da kommen viele schwierige Passagen vor. Aber manche sind eben sehr exponiert, wo jeder einen Fehler hören würde. Das heisst nicht unbedingt, dass ich genau das spielen muss, was in meinen Noten steht. Die Zuhörer kennen meine Noten ja nicht. Es muss nur sicher und überzeugend klingen. Ausser wenn es ganz bekannte Stellen sind, wie z.B. der Blumenwalzer im Nussknacker ...

    Und manche Passagen liegen so, dass ich hinterher auf der Aufnahme selber nicht mehr höre, was die Klarinetten nun gespielt haben. Bei der "Morgenstimmung" in der Peer Gynt-Suite z.B. haben die 1.Klarinetten eine halbe Seite lang schnelle Sechzehntelläufe, ohne Zeit zum Atemholen. Wird aber komplett vom Blech übertönt. Da muss man sich beim Üben nicht unnötig Stress machen. Wir habens dann so vereinfacht, dass wir abwechselnd je 2 Takte gespielt haben, um zwischendurch verschnaufen zu können.

    Oder in der Big Band: notiertes Solo, keinerlei bekannte Melodie. Hätte ich mit vertretbarem Übeaufwand nicht hingekriegt. Ich habs vereinfacht und sicher runtergespielt. Ausser dem Dirigenten hats keiner gemerkt, alle waren zufrieden.
     
  7. Claus

    Claus Mod Emeritus

    @Florentin

    Eine pragmatische und mir sehr sympathische Herangehensweise.

    Wenn mein Anspruch ausschließlich Perfektion tolerierte, hätte ich längst das Handtuch werfen müssen.
     
  8. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Ich bin bei euch!

    Mit der Zeit konnte ich aber auch immer mehr.

    Gruß
     
  9. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    @ hanjo

    Ich habe da noch eine ernst gemeinte Frage:

    Wie spielst Du eigentlich Swingstücke? Wenn Du es spielst, wie notiert, swingt es nicht.
    (häufig steht über dem Stück nur "Swing Feel" und die Achtel sind ganz normal notiert)

    CzG

    Dreas
     
  10. Gast_13

    Gast_13 Guest

    Kommt darauf an, wie die Fliegenschisse verteilt sind?

    ;-)
     
  11. hanjo

    hanjo Strebt nach Höherem

    Hallo Andreas,

    ich melde mich hier, in diesem Beitrag, lediglich ein letztes Mal, weil ich Dich leiden mag und respektiere.

    Vor etwa 30-40 Jahren waren bei uns ganz viele Amerikaner mit denen ich Musik gemacht habe. Auch meine Frau ist nicht aus unserem geliebten Land und mag diese Musik.

    Nur weil ich diese Musik nicht spiele, heißt das nicht, daß ich sie nicht spielen kann (Nein, hast ja Recht, wenig solls heißen).

    Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

    Gruß
    Hanjo
     
  12. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    Danke Hanjo für die Antwort.

    War mir nicht bewusst, dass Du Swing gar nicht spielst.

    Dir ein frohes Fest!

    WzG (Weihnachten zum Gruss)

    Dreas
     
  13. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Ja, natürlich. Ich meinte auch nicht, alles auf eine Primitiv-Version zu reduzieren. Was sicher spielbar ist, hängt von den individuellen Fähigkeiten ab.

    Zum Thema "Üben" empfehle ich immer gern das Buch Effortless Mastery. Finden manche am Anfang zwar sehr esoterisch und angeberisch. Der Grundgedanke ist aber: um ein Stück wirklich überzeugend darbieten zu können, muss man es so lang geübt haben, bis es leicht geworden ist. Dann kann man seine inneren Hemmungen fallen lassen und darauf vertrauen, dass es ohne Anstrengung (effortless) meisterhaft gespielt werden kann.

    Jeder wird "Hänschen klein" frei, lebendig, witzig, etc spielen können. Nun muss man nur mehr so weit kommen (durch Üben), dass auch viel schwierigere Stücke genauso leicht rauskommen ...

    In dem Sinn allen ein frohes Fest!
     
  14. saxhornet

    saxhornet Experte

    Eine Interpretation ist eine Interpretation ist eine Interpretation.
    Und????
    Wenn Du in einem Ensemble mit mehreren Leuten ein Thema spielst sollte sich das decken was gespielt wird und nicht der eine anders phrasieren, ein anderer einen anderen Rhythmus spielen und wieder ein anderer Noten austauschen während der vierte Spieler die ganze Dynamik ändert. Alles Interpretation.
    Aber funktioniert dies? Nein. Man stelle sich ein Big Band vor, in der alle frei im Saxophonsatz das Stück interpretieren und nicht mehr spielen was dasteht.
    Auch wenn ein klassisches Werk interpretiert wird, sind die Parameter die zur Änderung zur Verfügung stehen andere als bei einem Jazztitel den man ganz allein spielt. Grundsätzlich muss man also unterscheiden, spiele ich das Thema allein oder mit anderen Spielern zusammen und lässt mir die Stilistik oder Begleitung Freiraum zu interpretieren oder kann es da Probleme geben.

    Nichts spricht aber gegen eine Vereinfachung um die Lernmöglichkeit zu optimieren. Ist das aber dann noch Pfuschen???

    Allgemein: Es ist gut ein Werk interpretieren zu können aber auch notwendig ein Stück, so wie es notiert wurde vom Blatt spielen zu können. Beides ist wichtig und hat seine Anwendung.

    Lg Saxhornet
     
  15. edosaxt

    edosaxt Strebt nach Höherem

    wenn ich im Orchester spiele interpretiert der Dirigent und nicht ich!!!
     
  16. saxhornet

    saxhornet Experte

    Vollkommen richtig. Aber wie sieht es aus bei einer Kombo wo 2 Bläser das Thema spielen???

    Ich dachte es wäre klar worauf ich hinaus will:

    Ob ich Noten interpretieren sollte und mir insofern akustische Vorbilder helfen oder ich mich streng an die Notenvorgaben halte, hängt auch davon ab welches Stück, welche Stilistik und wofür ich es lerne. Spiele ich ein klassisches Stück, eine Jazznummer oder oder oder... und spiele ich das allein oder mit anderen zusammen. Danach muss sich auch richten wie man ein Stück lernt. Was und wofür sind die wichtigen Fragen dabei.

    Lg Saxhornet
     
  17. edosaxt

    edosaxt Strebt nach Höherem

    Hmmm
    Ich will auf folgendes hinaus:
    Ich meine, man kann nicht nicht interpretieren.
    Auch wenn man in der combo spielt, kann man nicht die exacten Noten spielen, sondern hört, was machen die anderen und interpretiert daraufhin die noten
     
  18. Gelöschtes Mitglied 5328

    Gelöschtes Mitglied 5328 Guest

    Edo, ich bin ganz bei Dir!

    Aus meiner Sicht ist schon die Komposition eine Interpretation, eine Interpretation dessen, was der Komponist im Kopf hat.

    M. E. können Noten nicht präzise das wiedergeben, was der Komponist sich gedacht hat. Sie sind eine Hilfe, sich über musikalische Ausdrucksweise zu verständigen.

    Schönes Beispiel ist doch der Swing von weiter oben. Das lässt sich nicht notieren.
    Man muss sich beim gemeinsamen Spiel verständigen, wie man das interpretiert.

    Oder der Bandleader/Komponist gibt es vor.

    Auch die "Vier Jahreszeiten" klingen je nach Dirigent immer anders...

    CzG

    Dreas
     
  19. saxhornet

    saxhornet Experte

    Und wer soll auf wen hören, wer ist richtig und wer passt sich an? Was ist wenn es keine Probe gibt? Keinen Bandleader?

    Ich denke wir reden aneinander vorbei. Ob nun alles immer eh nur eine Interpretation ist oder nicht, ist unwichtig für die musikalische Praxis und reines Rumreiten auf einer Definition. Das ist wie: man kann nicht nicht kommunizieren. Hilft das in irgendeinem Punkt? Nein.

    Eine durchaus gängige Situation: Auftritt, keine Probe mit Gasttrompeter möglich, man spielt aber zusammen Themen. Was wird gemacht in der Praxis? Man hält sich an eine Version, die notiert wurde. Ansonsten braucht man Proben um sich abzusprechen.

    Der Rest stand schon vorher in Posts dazu von mir aber gerne nochmal:
    Nach Aufnahmen lernen ist super, lernen korrekt zu spielen was aber notiert wurde ist auch sinnvoll.

    Lg Saxhornet
     
  20. saxhornet

    saxhornet Experte

    Vollkommen richtig, trotzdem musst Du Dich, wenn Du mit mehreren verständigst auf eine Spielart oder Interpretation einigen und diese zur Not sogar notieren. Auch lässt nicht jedes Stück, jedes Arrangement, jede Stilistik gleich viel Platz für Interpretationen und schränkt die Parameter, die zur Verfügung stehen ein.

    Da fehlt das "nicht". Klar kann man das nicht notieren, da Swing nicht klar definiert ist und nicht bei jedem gleich ist und auch noch tempoabhängig ist.

    Das geht nur per Probe, Absprache oder eben per Noten.

    Lg Saxhornet
     
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